Hamed Abdel-Samad

© APA/INGA KJER

Ägypten
11/25/2013

Deutscher Islamismus-Kritiker vermutlich entführt

Abdel-Samad, der in Augsburg studierte, ist in Kairo verschwunden. Berlin fordert Aufklärung

Hamed Abdel-Samad kritisierte den politischen Islam, während des Arabischen Frühlings war er auf der Seite der säkularen Protestierenden. Als er am 4. Juni dieses Jahres bei einem Vortrag in Kairo der Muslimbruderschaft einen islamischen Faschismus vorwarf, „der in der Entstehungsgeschichte des Islam zu begründen ist“, gab es Morddrohungen im Internet gegen den Ägypter mit deutschem Pass.

Am 7. Juni rief Assem Abdel-Mged, ein Verbündeter von Staatspräsident Mohammed Mursi, im ägyptischen Fernsehen zum Mord an Abdel-Samad auf. Andere islamistische Politiker, Salafisten und Geistliche schlossen sich an, erklärten ihn zum „Ungläubigen“ und belegten ihn mit einer Fatwa.

Der deutsche Außenminister Guido Westerwelle hatten den Mordaufruf „in aller Schärfe “ verurteilt. Daraufhin wurde Abdel-Samad vom ägyptischen Innenministerium ein Leibwächter zur Verfügung gestellt.

Doch seit Sonntag, 16.15 Uhr, habe „sich die Spur von Abdel-Samad vollständig verloren“, sagt sein Bruder. Eine Entführung wird befürchtet. Diese Nachricht verbreitete sich im ägyptischen Nachrichtenportal Youm7 in Windeseile.

Die Deutsche Bundesregierung forderte am Montag von Ägypten „schnellstmöglich“ Aufklärung über das Schicksal des deutschen Publizisten, der mit 23 Jahren nach Deutschland gekommen war und in Augsburg Politik studiert hatte.

Der 41-jährige Abdel-Samad ist vielen aus einer preisgekrönten Fernsehserie bekannt: Entweder Broder – Die Deutschland Safari (zu sehen auf YouTube). Gemeinsam mit Henryk M. Broder reiste er 30.000 km durch Deutschland. Der intellektuelle Araber und der ebenso streitbare Jude gaben ein fulminantes Gespann ab.

Abdel-Samad, Sohn eines sunnitischen Imams, hat sich in seinen Büchern „Mein Abschied vom Himmel“ und „Der Untergang der islamischen Welt“ sehr kritisch mit den Widersprüchen und ideologischen Verhärtungen muslimischer Gesellschaften auseinandergesetzt. 2010 wurde er vom damaligen deutschen Innenminister Thomas de Maizière als Teilnehmer der Zweiten Deutschen Islam-Konferenz berufen.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.