Chronik | Welt
21.08.2017

Das Schweigen von Big Ben ärgert die britische Premierministerin

Die berühmten Uhrschläge sollen für vier Jahre verstummen – das ärgert Theresa May.

In ihrer ersten öffentlichen Erklärung nach ihrem Sommerurlaub brachte nur ein Thema Theresa May in Wallung: Nicht der Brexit, sondern das Schweigen des Big Ben.

Das vorerst letzte Läuten war am Montag zu hören, danach sollen die berühmten Uhrschläge bis 2021 schweigen. Grund dafür sind schon längst überfällige Renovierungsarbeiten im Elizabeth Tower, wo sich der Big Ben befindet, das ist der Name der größten von insgesamt fünf Glocken im Turm. Die Sicherheit der Arbeiter im Turm müsse während dieser Phase gewährleistet werden. Nur zu ganz besonderen Anlässen – wie Neujahr – sollen die Glocken ausnahmsweise läuten. Doch das genügt den meisten Politikern nicht.

Der Brexit-Minister David Davis, der eigentlich mit den langwierigen Austrittsverhandlungen beschäftigt sein sollte, wie der Guardian süffisant bemerkte, bezeichnete die Pause als "verrückt". Er könne nicht erkennen, "welche Gesundheits- und Sicherheitsrisiken diesen langen Zeitraum erforderlich machten."

Behörden gegen May

Theresa May nannte das Verstummen des Big Ben als "unpraktisch und eine Geldverschwendung". Die parlamentarischen Behörden haben die Idee der Premierministerin, den Big Ben in den Stunden, in denen die Arbeit nicht durchgeführt wird, läuten zu lassen, abgelehnt. Das ganze Prozedere würde einen halben Tag in Anspruch nehmen. Oppositionsführer und Labour-Chef Jeremy Corbyn versteht die Aufregung nicht und sagt, dass die Arbeiten durchgeführt werden müssen, das ganze sei "keine nationale Katastrophe".

Auch das benachbarte Parlamentsgebäude, das teilweise aus dem 18. Jahrhundert stammt, müsse dringend runderneuert werden. Seit dem Neubau 1847 wurde nur das Nötigste geflickt. Letztes Jahr warnten Experten vor einem erhöhten Brandrisiko. Im Gebäude gäbe es versteckte Stromkabel, die zu einem Feuer führen könnten. Außerdem seien die Dächer undicht, interne Sanitäranlagen würden versagen und auch das Asbest-Problem ist nicht gelöst.

Der Buckingham-Palast der Queen sei ebenfalls brüchig. Vor Jahren brach ein Stück der Fassade ab und verfehlte nur knapp eine Karosse des königlichen Fuhrparks.

Von Mario Stan