Marius am 7.2.2014

© APA/EPA/Keld navntoft

Kopenhagen
02/10/2014

Zoochef nach Giraffentötung unter Druck

Nach Tötung, Obduktion und Löwenfütterung wird die Absetzung des Direktors gefordert. Auch in Wien wäre eine derartige Tötung möglich.

Die mediale Aufregung rund um die Tötung der Giraffe Marius im Kopenhagener Zoo in Dänemark reißt nicht ab: Jetzt wird mit einer Petition die Absetzung des Zoodirektors gefordert. Das eineinhalb Jahre alte Tier war am Sonntag betäubt und erschossen worden, weil es nicht mehr genügend Platz im Zoo gab. Wegen der Inzuchtgefahr konnte es nach Zooangaben auch nicht in einen anderen europäischen Tierpark umziehen.

An Löwen verfüttert

Nach einer Obduktion vor jungem Publikum, war ein Teil des Jungtiers an die Löwen im Zoo verfüttert worden. Auf Facebook rissen die wütenden Kommentare am Montag nicht ab: "Schäm dich, Kopenhagener Zoo", lautete etwa ein Eintrag. "Ihr habt eine unschuldige Baby-Giraffe getötet!"

Petition blieb folgenlos

In einer Petition im Internet hatten mehr als 27.000 Menschen die Rettung des Tiers gefordert. Am Montag forderten die Organisatoren der Petition die Absetzung von Zoodirektor Bengt Holst. Der hatte die Tötung des Tiers verteidigt. "Das war eine Standardprozedur, die sicherstellt, dass es auch in Zukunft einen gesunden Bestand an Tieren gibt", sagte Holst der Zeitung Berlingske.

„Das ist etwas ganz Natürliches“

Der Versuch einer Relativierung der Ereignisse kommt vom Direktor des Nürnberger Zoos, Dag Encke. In einem Interview mit der Nachrichtenagentur dpa sagte er, eine Giraffe zu verfüttern, sei im Grund nichts anderes, als ein Schwein zu keulen."Die Leidensfähigkeit der beiden Tiere ist identisch", betonte er. "Wir Zoos sind auch da, um den Menschen zu zeigen: Das ist etwas ganz Natürliches, auch eine Giraffe wird gefressen."

Inzuchtgefahr

Auf seiner Internetseite hatte der Kopenhagener Zoo am Sonntag dargelegt, dass es zu der Tötung keine Alternative gebe. Der Tierpark gehört zur Europäischen Zoo- und Aquarienvereinigung (EAZA), für die ein strenges Zuchtprogramm für Giraffen gilt. So dürfen sich nur solche Giraffen paaren, die nicht miteinander verwandt sind. Damit soll die genetische Vielfalt der Population erhalten bleiben. Marius habe in keinem der etwa 300 EAZA-Zoos Aufnahme gefunden, weil die dortigen Giraffen ähnliches Genmaterial aufwiesen. Eine Kastration wäre demnach grausamer gewesen und hätte "unerwünschte Folgen gehabt". Auch eine Auswilderung in die Natur sei zu riskant gewesen - zumal das von afrikanischen Ländern nicht erwünscht sei, hieß es weiter.

Der Zoo soll zwei Angebote von anderen Zoos ausgeschlagen haben, die Marius aufnehmen wollten. Außerdem hatte es ein Angebot eines privaten Spenders gegeben, die Giraffe für 500.000 Euro zu kaufen. Ein Sprecher des Zoos sagte dazu, dass die Tiere dem Zoo nicht gehören würden, eine Weitergabe sei nur an eine Institution mit denselben Zuchtregeln möglich.

Kastration möglich?

Die Tierschutzorganisation Vier Pfoten hat sich dazu zu Wort gemeldet: „Das Töten der gesunden, jungen Giraffe durch den Zoo in Kopenhagen verurteilen wir nicht nur als völlig unnötige Grausamkeit, sondern auch als Missmanagement und Armutszeugnis für den Artenschutz-Auftrag eines Zoos. Der Zoo hat schlicht bei der Geburtenkontrolle versagt: Er muss garantieren, dass nur Wildtiere verpaart/zur Paarung zugelassen werden, wenn die Zukunft der Jungtiere gesichert ist – egal, ob im selben oder in einem anderen Zoo. Zudem stünden auch Maßnahmen wie Kastration oder Vasektomie für die junge Giraffe zur Verfügung, um den Bestand zu regeln.“

Eine Kastration sei bei Giraffen laut Zoosprecher zu gefährlich, weil das Risiko bestehe, dass sich die Tiere beim Umfallen nach dem Sedieren den Hals brechen.

Zoo Schönbrunn: Giraffen-Tötung auch in Wien möglich

Eine derartige Tötung wäre laut Thomas Voracek, Fachtierarzt im Tiergarten Schönbrunn, auch im Tiergarten Schönbrunn in Wien möglich. Wie der Kopenhagener Zoo ist auch der Tiergarten Schönbrunn Mitglied in der Europäischen Zoo- und Aquarienvereinigung (EAZA). Diese sieht ein strenges Zuchtprogramm für Giraffen vor.

Würde in Schönbrunn ebenfalls ein Giraffenbaby geboren werden, das aufgrund von Inzuchtgefahr nirgendwo Aufnahme fände, könnte es zu einer ähnlichen Vorgehensweise wie in Kopenhagen kommen. Auch die Verfütterung eines Zootieres an andere Zootiere sei erlaubt, betonte Voracek. Er sehe die öffentliche Verfütterung von Marius an Raubtiere im Kopenhagener Zoo daher "emotionslos".

Bilder der Autopsie

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