Die Ermittlungen zum Flug MH17 wurden und werden durch die unsichere Lage in der Krisenregion erschwert.

© REUTERS/MAXIM ZMEYEV

Niederlande
09/09/2014

Bericht zu Absturz von MH 17: "Von Objekten durchlöchert"

Wurde die Boeing tatsächlich abgeschossen? Nach fast zwei Monaten hat der niederländische Sicherheitsrat nun eine erste Antwort geliefert.

Es ist sieben Wochen her, dass eine Passagiermaschine über der Ostukraine abstürzte. Alle 298 Menschen an Bord von Flug MH 17 kamen ums Leben. Heute hat der niederländische Sicherheitsrat einen ersten Zwischenbericht zur Ursache der Katastrophe auf seiner Website veröffentlicht. Im Zentrum steht die Frage, ob die Boeing tatsächlich von einer Rakete abgeschossen wurde. Diese wird teilweise bejaht: Laut den Experten sei die Maschine von "mehreren Objekten" getroffen, regelrecht "durchlöchert" worden und "während des Fluges in mehrere Teile zerborsten". Womit dies geschehen ist - eine Rakete der Separatisten, wie vom Westen vermutet, oder ein Kampfflugzeug der ukrainischen Armee, wie von den Separatisten und von Russland behauptet - geht aus dem Bericht aber nicht hervor.

Ein technisches Problem sowie menschliches Versagen werden dezidiert ausgeschlossen. Ein vollständiger Bericht der Experten und damit die Klärung der Schuldfrage stehen allerdings noch aus. Die wichtigsten Erkenntnisse:

- Es gibt keine Hinweise auf technisches Versagen oder Pilotenfehler.

- Eine große Zahl von Objekten durchlöcherte mit großer Wucht die Boeing von außen, daraufhin brach sie noch in der Luft auseinander.

- Flug MH17 befand sich im zugelassenen Luftraum und auf dem zugewiesenen Kurs.

- Der Flug verlief normal und es gab keinen Notruf der Besatzung.

- Zur Uhrzeit der Katastrophe am 17. Juli um 13.20 Uhr befanden sich drei weitere zivile Maschinen im Luftraum über Donezk. Der kürzeste Abstand zu Flug MH17 war 30 Kilometer.

Keine Hinweise auf Notfall

Am 23. Juli übernahmen die Niederlande die Untersuchung, weil sie die meisten Opfer zu beklagen hatten und das Flugzeug in Amsterdam gestartet war.
Der Stimmrekorder des Cockpits und der Flugschreiber wurden in London ausgelesen. Nichts in den Aufnahmen deute daraufhin, dass es technische Schwierigkeiten oder einen Notfall gegeben habe. Auch die Blackbox habe keine technischen Probleme aufgegeben, so der Bericht.

In Den Haag haben die Experten diese Daten mit Radarinformationen und Satellitenfotos verglichen. Man sammelte außerdem Geheimdienst-Informationen, Videos und Fotos. Den Regeln der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation IACO zufolge hätte der Bericht innerhalb eines Monats vorliegen sollen. Ausnahmen sind allerdings möglich.

Weitere Leichen in Heimat überführt

Kurz vor der Vorstellung des ersten Untersuchungsberichts zum Flugzeugabsturz in der Ostukraine sind weitere Leichen nach Malaysia geflogen worden. Damit sind nach offiziellen Angaben nun die sterblichen Überreste von 34 der 43 Malaysier an Bord in die Heimat gebracht worden.

Brüchige Waffenruhe

Die am Freitag beschlossene Waffenruhe für die Krisenregion bleibt indes brüchig. Seit Beginn der Feuerpause seien bei vereinzelten Kämpfen fünf ukrainische Soldaten getötet und 33 weitere verletzt worden, erklärte ein Militärsprecher in Kiew. Seit Freitag hätten die prorussischen Rebellen außerdem rund 650 gefangene ukrainische Soldaten freigelassen. Angesichts des Vorgehens der russischen Führung in der Ukraine-Krise verschärfte die Europäische Union am Montagabend erneut ihre Sanktionen. Sie treten allerdings erst in einigen Tagen in Kraft - dies gebe Zeit, um die Umsetzung des Friedensplanes bzw. der am Freitag vereinbarten Waffenruhe zu beurteilen, so die Begründung.

Hier finden Sie den vollständigen Bericht.

Der Flug des Passagierjets

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