Premierminister Manuel Valls: "Kampf gegen den Antisemitismus muss weitergeführt werden".

© REUTERS/CHARLES PLATIAU

Antisemitismus in Frankreich
12/04/2014

Erschütterung nach Überfall auf jüdisches Paar

Frankreichs Regierungschef Valls verurteilt die "Gräueltat von Creteil" scharf.

Nach dem brutalen Überfall auf ein junges Paar bei Paris ist die Debatte über Antisemitismus in Frankreich wieder voll entbrannt. Premierminister Manuel Valls verurteilte am Donnerstag die "Gräueltat von Creteil", wo zwei junge Leute wegen ihrer jüdischen Religion gezielt überfallen und ausgeraubt worden waren und die junge Frau auch vergewaltigt worden war.

"Unerträgliche Gewalt"

Valls hob in einer Twitter-Botschaft hervor, dass dieser Überfall der "widerwärtige Beweis" dafür sei, "dass der Kampf gegen den Antisemitismus jeden Tag geführt werden" müsse.

Auch Präsident François Hollande sprach am Donnerstag von "unerträglicher Gewalt" und hob hervor, dass im Kampf "gegen den Rassismus, gegen den Antisemitismus" dürfe nicht so getan werden dürfe, "als hätten wir nichts gesehen". Der Überfall zeige, dass "das Schlimmste existiert". Dadurch werde das Beste an Frankreich "verletzt, beschädigt".

"Die Opfer wurden wegen ihrer Religionszugehörigkeit angegriffen", erklärte der Staatsanwalt von Créteil. Auch Innenminister Bernard Cazeneuve verurteilte die Tat, er sprach von einer "antisemitischen Aggression" und versprach, Rassismus und Antisemitismus in all ihren Formen zu bekämpfen.

"Der Antisemitismus richtet Chaos in unserem Land an", meldete sich auch der Rat der jüdischen Institutionen in Frankreich zu Wort. "Die antisemitischen Vorurteile werden immer stärker." Der Rat fordert nun einen Notfallplan, um die Juden in Frankreich zu schützen.

Opfer gezielt ausgewählt

Der 21-jährige Mann und seine 19 Jahre alte Freundin waren am Montag am hellichten Tag in einer Wohnung in Creteil am südöstlichen Stadtrand von Paris überfallen und ausgeraubt worden. Justizkreisen zufolge drangen drei Männer mit Schusswaffen sowie "vermummt und mit Handschuhen" in die Wohnung ein, fesselten ihre Opfer und forderten die Herausgabe von Kreditkarten, Handys, Computern und Schmuck. Die junge Frau wurde zudem vergewaltigt.

Laut Ermittlern wurde das Paar gezielt als Opfer ausgewählt, weil die Angreifer davon ausgingen, "dass Jude zu sein bedeutet, Geld zu haben". Zwei der drei mutmaßlichen Täter und ein Komplize, die festgenommen werden konnten, sind der Polizei zudem wegen einer anderen religiös motivierten Gewalttat bekannt. Dabei wird ihnen vorgeworfen, am 10. November einen etwa 70-jährigen Juden ebenfalls in Creteil verprügelt zu haben. Der dritte Angreifer vom Montag befand sich am Donnerstag noch auf der Flucht.

Ermittlungsverfahren

Gegen die zwei bisher festgenommenen mutmaßlichen Täter vom Montag wurde ein Ermittlungsverfahren nicht nur wegen bewaffneten Überfalls und gemeinschaftlicher Vergewaltigung, sondern auch wegen Freiheitsberaubung und Erpressung unter Einsatz von Gewalt "wegen der Zugehörigkeit zu einer Religion" eingeleitet, wie die Staatsanwaltschaft am Mittwochabend mitteilte. Gegen sie und den Komplizen wurde zudem ein Ermittlungsverfahren im Zusammenhang mit dem Überfall auf den 70-Jährigen wegen "Gewalt wegen der Zugehörigkeit zu einer Religion" eröffnet.

Massenflucht

Der wachsende und immer aggressiver werdende Hass auf Juden in Frankreich hat inzwischen zu einer Massenflucht geführt. Laut Spiegel sind in diesem Jahr mehr als 5000 französische Juden nach Israel ausgewandert.

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