Rätsel und Spekulationen haben die bisher ergebnislose Suche nach dem Wrack der Maschine begleitet.

© APA/EPA/SHAMSHAHRIN SHAMSUDIN

Verschollene Boeing
03/16/2014

25 Länder suchen nach dem Flugzeug

Malaysia spricht von Verbrechen und bittet international um Hilfe.

Neun Tage – und nicht die geringste Spur. Malaysia hat nun international um Hilfe bei der Suche nach der verschollenen Boeing vom Flug MH 370 gebeten. Staaten von Kasachstan bis Frankreich sind von den Behörden in Kuala Lumpur offiziell kontaktiert worden, insgesamt wird in 25 Ländern nach der am 8. März verschwundenen Maschine gesucht.

Inzwischen ermittelt die malaysische Polizei offiziell wegen "Entführung, Sabotage und Terrorismus", man geht also davon aus, dass das Flugzeug absichtlich seinen Kurs verlassen hat, bevor es auf Nimmerwiedersehen verschwand. Die Behörden gehen auch davon aus, dass sämtliche Kommunikationssysteme bewusst ausgeschaltet wurden, und das Flugzeug deshalb nicht mehr geortet werden konnte.

Radaranlagen der indischen Streitkräfte haben dennoch Signale eines Jets empfangen, bei dem es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um die gesuchte Boeing handelt. Diese Maschine, so der Letztstand der Ermittlungen, soll noch sieben Stunden lang in der Luft gewesen sein, nachdem der Kontakt mit ihr abgerissen war.

Daraus ergeben sich mögliche Luftkorridore, in denen sich das Flugzeug bewegt haben, könnte. Diese Korridore befinden sich etwa über Kasachstan, Pakistan oder Turkmenistan, allesamt Staaten, die man jetzt um Hilfe bei der Suche gebeten hat. Frankreich dagegen soll vor allem seine Erfahrungen bei der Suche nach abgestürzten Flugzeugen beisteuern, immerhin wurde die 2009 über dem Südatlantik abgestürzte Air-France-Maschine erst nach zwei Jahren entdeckt.

Piloten im Visier

Bei der Suche nach möglichen Entführern der Maschine tappt man aber weiterhin im Dunkeln. Vorerst sind nur zwei Männer an Bord der Maschine bekannt, die eine Boeing tatsächlich fliegen konnten: Pilot und Copilot.

Beide sind von den malaysischen Behörden ins Visier genommen worden. Viel ergeben hat das allerdings nicht. Beide sind langjährige Mitarbeiter der Malaysia Airlines und gelten als umgängliche Männer mit bürgerlichem Lebensstil. Der Flugsimulator, den der Pilot zu Hause hatte, war offensichtlich eher für Freunde gedacht als für geheim e Flugpläne.

239 Menschen, 239 Schicksale

Zu den 153 Chinesen an Bord zählt eine Gruppe von 18 chinesischen Künstlern, wie die Nachrichtenagentur China News berichtete. Sie waren auf dem Rückweg von einer Ausstellung in Kuala Lumpur. Eigentlich sollten 24 Maler an Bord sein, die Tickets von sechs Künstlern wurden aber kurzfristig umgebucht.

Der texanische Halbleiterhersteller Freescale Semiconductor teilte mit, dass 20 seiner Angestellten an Bord waren, zwölf aus Malaysia und acht aus China.

Drei der sechs Inder an Bord gehörten Medienberichten zufolge einer Familie aus Mumbai an. Das Paar war demnach mit einem Sohn auf dem Weg zu dessen älteren Bruder, der kürzlich geheiratet hatte. An Bord sollen zudem eine indische Fischereiexpertin auf dem Weg zu einer Konferenz in der Mongolei sowie eine Frau auf dem Weg zu ihrem in Nordkorea arbeitenden Mann gewesen sein.

Bei den vier Franzosen an Bord handelt es sich Medien zufolge um eine Mutter mit ihrer 14 Jahre alten Tochter, ihrem 17 Jahre alten Sohn und dessen Freundin. Sie hatten zusammen Urlaub in Malaysia gemacht und wollten zurück nach Peking, wo der 17-Jährige noch seine Matura machen wollte. Der Vater hatte als Topmanager für den Baustoffhersteller Lafarge in China gearbeitet, war aber bereits Anfang des Jahres mit dem dritten Kind des Paares nach Frankreich zurückgekehrt.

Zwei der drei Menschen mit US-Pass an Bord sind Kleinkinder - ein Zweijähriger und ein vier Jahre altes Mädchen der Passagierliste zufolge. Sie reisten möglicherweise in Begleitung von Eltern mit doppelter Staatsbürgerschaft. Beim dritten US-Passagier handelt es sich laut "Wall Street Journal" um einen IBM-Manager, der gerade erst nach Malaysia versetzt wurde. Er habe noch einmal Peking besuchen wollen, um sich dann in Kuala Lumpur niederzulassen, zitierte die Zeitung den Bruder des Mannes.

Die zwei Kanadier an Bord sind dem Sender CBC zufolge ein Ehepaar. Die Eltern zweier Kinder leben demnach in Peking, wo der Mann Manager bei einem US-Handelsunternehmen ist. Das Paar soll auf dem Rückflug von einem Urlaub in Vietnam gewesen sein.

Auf Urlaubsreise war asiatischen Medienberichten zufolge auch die einzige Niederländerin an Bord. Die Frau mit indonesischen Wurzeln soll ihre alte Heimat besucht haben. Sie habe mit Malaysia Airlines über China zurück nach Amsterdam fliegen wollen, wurde der Bruder der Niederländerin zitiert.

Ganz andere Motive hatten bisherigen Erkenntnissen nach zwei junge Iraner, die mit gestohlenem italienischen beziehungsweise österreichischem Pass eincheckten: Wahrscheinlich hätten die beiden nach Deutschland auswandern wollen, berichtete die malaysische Polizei.

8. März:

- Der chinesische Außenminister Wang Yi zeigt sich "sehr besorgt" über die spurlos vermisste Maschine mit 239 Menschen an Bord.

- Die Boeing ist nahe der vietnamesischen Insel Tho Chu abgestürzt, heißt es. Dies bestätigt sich aber danach nicht.

- Spekulationen über die Ursache des Unglücks nehmen ihren Anfang. "In der Region, in der die Maschine verschwand, wurde zu dem Zeitpunkt keine ungewöhnliche Wetterlage gemeldet", sagte der stellvertretende vietnamesische Verkehrsminister Pham Quy Tieu.

- Auf der veröffentlichten Passagierliste befindet sich der Namen eines Österreichers. Doch der ist wohlauf und gesund und in der Heimat. Dem Salzburger wurde vor rund zwei Jahren in Thailand sein Pass gestohlen. Ein zunächst ebenfalls an Bord vermuteter Italiener meldet sich bei seinen Eltern. Es gehe ihm gut, ihm sei im vergangenen Jahr sein Pass gestohlen worden.

- Suchflugzeuge entdecken eine kilometerlange Ölspur im Meer vor der vietnamesischen Küste.

9. März:

- Mehr Auffälligkeiten auf der Passagierliste werden publik. Die Behörden prüfen demnach vier "verdächtige Einträge". Wegen der Insassen mit offenbar falscher Identität werden Spekulationen über einen Anschlag laut.

- Aufklärer sichten im Meer einen "ungewöhnlichen Gegenstand". Dieser entpuppt sich später als Holz.

- Die vermisste Maschine war im August 2012 in Schanghai in einen Unfall am Rollfeld verwickelt, bestätigt der Chef der Malaysia Airlines. Die Linie selbst gilt als zuverlässig, so Experten.

- Auf der Suche nach dem Wrack lassen China und Vietnam einen seit langem währenden Territorialstreit um das Südchinesische Meer vorübergehend ruhen.

- Malaysia schaltet das FBI und andere Geheimdienste ein. Der Anschlag-Verdacht wird durch mehrere Passagiere, die mit gestohlenen Ausweisen die Sicherheitschecks passiert hatten, befeuert.

10. März:

- Ein an der Suche beteiligter Offizier gibt zu bedenken: "Dass wir bisher keine Trümmerteile finden konnten, deutet darauf hin, dass die Maschine wahrscheinlich in 10.000 Meter Höhe auseinandergebrochen ist."

- Schiffe sollen ein Objekt, bei dem es sich um ein aufblasbares Rettungsboot handeln könnte, überprüfen. Der Gegenstand entpuppt sich als Hülle einer Kabelrolle. Weiterer Rückschlag: Im Südchinesischen Meer entdeckte Ölspuren stammen nicht von einem Flugzeug.

- Eine Videoauswertung ergibt: Die mit gestohlenen Pässen gereisten Passagieren haben nicht asiatisch ausgesehen. Laut Interpol waren die Dokumente registriert, keine Behörde habe aber die Nutzung dieser Pässe signalisiert.

11. März:

- Neue Nahrung für Spekulationen: Ein Iraner habe die Tickets der beiden Passagiere mit den gestohlenen Pässen gekauft, berichtet die Polizei im thailändischen Urlaubsort Pattaya.

- Polizeichef Khalid Abu Baker in Kuala Lumpur widerspricht Anschlagvermutungen: Der 19-jährige Iraner, der mit dem Pass eines Salzburgers unterwegs war, wollte vermutlich nach Deutschland auswandern. "Wir glauben nicht, dass er zu irgendeiner Terrorgruppe gehörte." Auch Interpol geht von einem Menschenschmuggel- und nicht von einem Terror-Fall aus. Bei der CIA gehen aber "mehrere mögliche Bekennerschreiben" ein.

- Die abgestürzte Maschine ist möglicherweise über die Straße von Malakka geflogen. Radarbilder zeigen, dass die Boeing ihren Kurs geändert habe, heißt es aus Militärkreisen.

12. März:

- Zwei Touristinnen erzählen in Australien skandalöse Geschichten über den Copiloten der Unglücksmaschine. Der 27-Jährige habe mit ihnen bei früherer Gelegenheit während des Flugs, inklusive Start und Landung, im Cockpit geblödelt und dort auch geraucht.

- Die Suche nach dem Wrack wird in die südliche Andamanensee nördlich der indonesischen Insel Sumatra verlegt. Die Helfer müssen sich auf ein sehr großes Gebiet konzentrieren.

- Der letzte Funkspruch der Boeing lautete "In Ordnung, gute Nacht", berichtet der malaysische Botschafter in Peking.

- Die malaysische Regierung gerät zunehmend unter Druck, das Krisenmanagement wird in Medien vehement kritisiert.

- China will nun auch mit Satelliten die Maschine orten. Erste aufgespürte Objekte stammen aber nicht von dem Flugzeug.

13. März:

- Der Transportminister Malaysias weist einen Bericht zurück, wonach das verschwundene Flugzeug nach dem letzten Radarkontakt noch vier Stunden weiterflog. Das "Wall Street Journal" legt ungeachtet dieses Dementis unter Berufung auf Ermittler nach: Malaysische Satelliten hätten noch Stunden nach der durch das Radar bekannten Position Signale erhalten.

14. März:

- Trotz Dementis aus Malaysia hält sich die Theorie, dass die Maschine weit von ihrem Kurs abwich und in Richtung Indischer Ozean flog. Chinesische Forscher wollen vor einer Woche ein Ereignis auf dem Meeresboden zwischen Malaysia und Vietnam gemessen haben.

15. März:

- Das Verschwinden von Flug MH370 deutet laut Ermittlern eher auf Sabotage als einen Unfall hin. Die Maschine sei von ihrem Kurs abweichend nach Nordwesten gesteuert worden, berichtete der malaysische Ministerpräsident Najib Razak. Zuvor wurden demnach "mit hoher Wahrscheinlichkeit absichtlich" zwei Kommunikationssysteme abgestellt.

16. März

- Malaysias Polizei ermittelt nun offiziell wegen Entführung, Sabotage und Terrorismus. Auf der Suche nach dem weiterhin verschollenen Passagierflugzeug werden 15 Länder um Hilfe gebeten.

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