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Chronik Welt
05/23/2020

Überlebender schildert Flugzeugabsturz vor Karatschi: "Menschen haben gebetet"

Ein verletzter Überlebender des Crash in Pakistan erzählt, was sich an Bord des Airbus A320 am Freitag abspielte.

Genau zwei Menschen überlebten den Flugzeugabsturz in Pakistan am Freitag, für 97 Insassen des Airbus A320 der staatlichen Airline PIA kam jede Hilfe zu spät. "Die Menschen gerieten in Panik und begannen laut zu beten“, beschrieb Muhammad Zubair die letzten Minuten vor dem Absturz dem Sender „Geo TV“ noch am späten Freitagabend.

"Ich habe meinen Sicherheitsgurt gelöst, Licht gesehen und bin in dessen Richtung gegangen. Dann bin ich rausgesprungen." Der 24-Jährige und ein weiterer Passagier haben wie durch ein Wunder den Absturz einer pakistanischen Passagiermaschine über einem Wohngebiet der Millionenmetropole Karachi (Karatschi) überlebt.

97 Insassen schafften es nicht, auch am Boden kamen bei dem Unglück am Freitag offenbar Menschen ums Leben. Zubair hatte unvorstellbares Glück. Zwar erlitt er Verbrennungen, doch sein Zustand ist nach Angaben des pakistanischen Gesundheitsministeriums stabil. In einem im Internet veröffentlichten Video-Bericht vom Krankenbett schilderte er die Minuten nach dem Absturz.

"Jeder versuchte zu überleben"

"Nach dem Aufprall der Maschine kam ich wieder zu Bewusstsein und sah überall nur Flammen", berichtete der 24-Jährige. "Überall waren Schreie, jeder versuchte zu überleben." Dann habe er das Licht gesehen und sich in Bewegung gesetzt. Außer Zubair hat nach Behördenangaben nur der Präsident der Bank von Punjab, Zafar Masud, den Absturz überlebt.

Alle anderen 89 Passagiere und die acht Besatzungsmitglieder kamen nach Behördenangaben ums Leben. Mindestens 19 von ihnen wurden bis Samstag identifiziert.

Der Airbus A320 der staatlichen Fluggesellschaft Pakistan International Airlines (PIA) befand sich im Landeanflug auf Karachi, als beide Triebwerke ausfielen. Der Pilot konnte noch einen Notruf absetzen, bevor die Maschine in einem Wohngebiet zerschellte.

Bei dem Absturz wurden offenbar auch Menschen am Boden getötet. Mitarbeiter eines örtlichen Krankenhauses berichteten von Leichen, bei denen es sich nicht um Insassen der Maschine handle.

Das Flugzeug befand sich kurz vor dem Landeanflug. Zuvor hatten die Piloten laut der Airline technische Probleme und einen möglichen Triebwerksschaden berichtet. Die genaue Ursache des Problems ist noch nicht bekannt. Luftverkehrsminister Ghulam Sarwar Khan versprach eine rasche Aufklärung der Absturzursache an. 

Entschädigungszahlung

Eine Million pakistanische Rupien (umgerechnet rund 5700 Euro) sollen Angehörige neben Versicherungsbeträgen jeweils für Verstorbene erhalten, kündigte der Minister an. Die beiden Überlebenden bekämen die Hälfte des Betrags. Auch die Anwohner der Absturzstelle wenige Kilometer vor dem Flughafen der Metropole Karatschi sollen entschädigt werden. Ihre Häuser wurden beim Crash verwüstet.

Schwierige Identifizierung

Die Aufräumarbeiten und Identifizierung der Todesopfer gestalteten sich zunächst schwierig. Laut dem Gesundheitsministerium der Provinz Sindh wurden bis Samstag 19 Passagiere identifiziert, weitere 45 DNA-Proben von Angehörigen entnommen. Acht Anwohner wurden verletzt.