Ein Beweisfoto: Andrew, Virginia Giuffre und Ghislaine Maxwell

© APA/AFP/US District Court - Southern Dis/HANDOUT

Chronik Welt
01/14/2022

Missbrauchsskandal: Wie Prinz Andrew abstürzte

Der Missbrauchsskandal um Prinz Andrew könnte die Royals à la longue aus dem Sattel werfen.

von Susanne Bobek

"Solange die Queen lebt, ist die Monarchie sattelfest und nicht in Gefahr. Was nachher kommt, ist fraglich", sagt die Adelsexpertin und KURIER-Kolumnistin Lisbeth Bischoff. Denn der Missbrauchsskandal um Prinz Andrew zieht immer weitere Kreise.

Am Freitag forderte ein hochrangiger Ratsvertreter der Stadt York, dass Prinz Andrew auch seinen Titel als "Herzog von York" verlieren müsse. "Unsere großartige Stadt hat Besseres verdient", twitterte der Liberaldemokrat Darryl Smalley aus dem City of York Council.

Prinz Andrew droht in den USA ein Prozess.

Die Klägerin Virginia Giuffre wirft dem Royal vor, sie vor rund 20 Jahren als Minderjährige mehrfach missbraucht zu haben. Sie soll dabei von dem mittlerweile gestorbenen US-Multimillionär Jeffrey Epstein an Andrew vermittelt worden sein.

Unehrenhaft entlassen

Die Queen hat nach Forderungen aus dem Militär ihrem zweitältesten Sohn alle militärischen Dienstgrade und Schirmherrschaften entzogen und sich damit deutlich distanziert. Der 61-jährige Andrew wird in Zukunft nicht mehr als "Königliche Hoheit" angesprochen.

"Jemand, der Vize-Admiral der Royal Navy ist, muss untadelig sein", kommentiert Lisbeth Bischoff. Jetzt wurde er unehrenhaft entlassen. Ein Tiefpunkt.

Das Ärgste war, dass er kein einziges Wort über die Opfer  verloren hat und keine Empathie zeigte

Lisbeth Bischoff | Adelsexpertin

Andrew war nie in seinem Leben makellos, aber unglaublich beliebt. Bereits 2011 begann sein Abstieg. Bis dahin war er Handelsdelegierter und konnte seine Kontakte für Großbritannien gut nützen. Doch Andrew vermischte Berufliches mit Privatem. Der Vielflieger wurde als "Meilen Andy" verspottet. Immerhin zahlten seine Tickets die Steuerzahler.

2011 musste er als Handelsdelegierter zurücktreten, schon damals war seine enge Freundschaft mit dem bereits wegen Missbrauchs das erste Mal 2009 verurteilten Jeffrey Epstein negativ aufgefallen. Allerdings dachten die meisten Menschen, dass der Prinz eben von Party zu Party gejettet war.

"Ich schwitze nie"

Seinen tiefen Fall markierte sein BBC-Interview 2019 zum Fall Epstein. Eigentlich wollte sich der Prinz nach dem Selbstmord seines engen Freundes "reinwaschen". "Doch es wurde ein PR-Desaster der Sonderklasse", sagt Lisbeth Bischoff. "Das Ärgste war, dass er kein einziges Wort über die Opfer verloren hat. Der Royal zeigte kein bisschen Empathie." Und dann meinte er, quasi als Beweis dafür, dass er Virginia Giuffre nie getroffen haben konnte: "Ich schwitze nie."

Giuffre hatte behauptet, dass der Prinz geschwitzt habe. "Andrew behauptete, seit dem Falkland-Krieg eine seltene Krankheit zu haben, die bedingt, dass er nicht mehr schwitzen kann", sagt Lisbeth Bischoff. "An dieser Stelle war klar, wie unappetitlich dieser Skandal ist."

Und dann kamen die Beweisfotos zum Vorschein. Andrew mit Virginia Giuffre und der in erster Instanz wegen Menschenhandels mit Minderjährigen verurteilten Ghislaine Maxwell. Sie ist eine alte Freundin des Prinzen, die er gemeinsam mit Jeffrey Epstein durch Schloss Sandringham geführt hatte.

Prinz Andrew, so glaubt Lisbeth Bischoff, wird nie von seiner Mutter fallen gelassen werden. "Verhungern wird er nicht, aber die Anwaltskosten werden ihm vom Erbe abgezogen, sag’ ich flapsig."

Die Krone habe nun ein Problem: Während Prinz Charles, die Queen und Prinzessin Anne im Schnitt jeweils über 500 offizielle Termine pro Jahr absolvieren und mehr oder weniger als untadelig gelten, sind die jungen Royals schon deutlich weniger fleißig. "Wozu brauchen wir sie", könnte in der Zeit nach der Queen, noch dazu wenn Skandale Hauptthema sind, rasch als Frage auftauchen.

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