Chronik | Welt
17.08.2018

Schweiz lehnt Einbürgerung von Muslim-Paar ab

Ehepaar lehnt Handschlag mit Menschen des anderen Geschlechts aus religiösen Gründen prinzipiell ab. Behörden sehen unüberwindbares Hindernis für die Integration.

Die Schweiz hat einem muslimischen Ehepaar die Einbürgerung verweigert, weil es den Handschlag mit Menschen des anderen Geschlechts aus religiösen Gründen prinzipiell ablehnt. Die Antragsteller hätten damit mangelnden Respekt für die Gleichberechtigung der Geschlechter demonstriert, sagte der Bürgermeister von Lausanne, Gregoire Junod, am Freitag der Nachrichtenagentur AFP.

Die Einbürgerungskommission sei nach einem Gespräch mit dem Ehepaar zu dem Schluss gekommen, dass es nicht ausreichend integrierbar sei. Die Eheleute hätten ausgesagt, dass sie "nicht die Hand von Angehörigen des anderen Geschlechts schütteln" wollten, sagte Junod. Bei der Befragung durch die dreiköpfige Kommission hätten sie zudem "große Probleme damit gehabt, Fragen zu beantworten, die von einem Mitglied des anderen Geschlechts gestellt wurden".

Zwar gelte in der Schweiz die Religionsfreiheit, sagte Junod. Die Ausübung des Glaubens dürfe aber nicht "außerhalb des Rechts" erfolgen.

"Die Verfassung und die Gleichberechtigung von Mann und Frau haben einen höheren Wert als religiöse Intoleranz."

Lausannes Vizebürgermeister Pierre-Antoine Hildbrand, der der Kommission angehörte, zeigte sich "sehr zufrieden" mit der Ablehnung des Einbürgerungsantrags. "Die Verfassung und die Gleichberechtigung von Mann und Frau haben einen höheren Wert als religiöse Intoleranz."

Ehepaar kann Berufung einlegen

Aus welchem Land das Ehepaar stammt, wurde nicht mitgeteilt. Der Mann und die Frau haben nun 30 Tage Zeit, Berufung gegen die Entscheidung der Stadt Lausanne einzulegen.

Einige streng gläubige Muslime argumentieren, dass Berührungen zwischen Männern und Frauen außerhalb der Ehe und enger Familienbeziehungen verboten sind.