Chronik | Welt
05.08.2018

Royals auf Urlaub: Auch Monarchen brauchen Ferien

Geschichten mit Geschichte: Wo die Queen und andere gekrönte Häupter den Sommer verbringen.

Ja, auch Majestäten müssen ausspannen. Wer das ganze Jahr Hände schüttelt, Regierungen angelobt und Kindergärten eröffnet, hat ein Recht auf Sommerferien. Zu diesem Zweck haben Kaiser und Könige – in Großbritannien, Schweden, Spanien, Holland und seinerzeit in Österreich – prunkvolle Paläste erworben, um sich dort von der Last der Krone erholen zu können.

Schloss in Schottland

Die Queen urlaubt derzeit wie jedes Jahr von August bis Oktober auf ihrem schottischen Landsitz Schloss Balmoral. Und das samt Großfamilie, bestehend aus Prinz Philip, Charles, Camilla und Prinzessin Anne. Zumindest kurzfristig trudelt auch die junge Generation ein: William und Kate werden ebenso bei Oma und Opa erwartet wie Harry und Meghan. Platz und Personal gibt’s zur Genüge, stehen auf Balmoral doch 70 Zimmer und 100 dienstbare Geister zur Verfügung.

Privatbesitz der Queen

Während die Queen in jüngeren Jahren die jeweils zwölf Wochen auf Balmoral reitend und auf der Jagd verbrachte, unternimmt sie heute ausgedehnte Spaziergänge. Ganz abschalten kann die Majestät auch in den Ferien nicht: Premierministerin Theresa May schaut vorbei, um Elizabeth über die politische Lage im Königreich zu informieren.

Das bereits im 14. Jahrhundert erwähnte Schloss in den schottischen Highlands wurde 1852 von Königin Victoria gekauft und befindet sich im Privatbesitz der Queen. Sobald sie auf Balmoral einlangt, wird die königliche Flagge gehisst. Ist sie nicht anwesend, kann man Teile des Areals für 11,50 Pfund Eintritt besichtigen.

Balmoral ist mit einem tragischen Stück Geschichte verbunden. Die Royals befanden sich am 31. August 1997 auf ihrem Sommersitz, als die Nachricht vom Tod Prinzessin Dianas eintraf. Es war der wohl schwerwiegendste Fehler in den 65 Regierungsjahren der Queen, dass sie nicht sofort nach London fuhr, um mit ihrem Volk zu trauern. Das kostete sie vorübergehend viele Sympathien.

Eine Tragödie lastet auch auf dem Feriendomizil der monegassischen Herrscherfamilie. Fürstin Gracia Patricia geriet am 13. September 1982 auf der Heimfahrt vom Sommersitz Roc Agel mit ihrem Rover von der Straße ab und stürzte über einen 40 m tiefen Abhang. Tochter Stephanie kam mit Verletzungen davon, Gracia Patricia starb am nächsten Tag im Spital.

Die Könige von Belgien und den Niederlanden urlauben an geheimen Orten, wofür die Sprecher der Paläste um Verständnis bitten. Carl Gustaf von Schweden und Ehefrau Silvia verbringen die Sommerferien mit Kindern und Enkelkindern auf Schloss Solliden auf der Insel Öland, wobei es sich eingebürgert hat, dass der royale Urlaub am 14. Juli, dem Geburtstag von Kronprinzessin Victoria, beginnt.

Kaisers Geburtstag

„Kaisers Geburtstag“ war auch in Österreich ein viel gefeierter Tag. Franz Joseph beging ihn alljährlich am 18. August auf seinem Sommersitz Bad Ischl. Während seine Vorfahren in Laxenburg und Baden bei Wien auszuspannen pflegten, erhob Franz Joseph Ischl zur kaiserlichen Sommerresidenz. In der wahrlich Geschichte geschrieben wurde: Der Kaiser verbrachte 82 der 86 Sommer seines Lebens in der Kurstadt und regierte von der Kaiservilla aus zwei Monate des Jahres die Monarchie. Hier hat er am 28. Juli 1914 die Kriegserklärung an Serbien unterzeichnet, die zum Ersten Weltkrieg und zum Untergang des Kaiserreichs führte. Und in Ischl hat Franz Joseph einmal noch seine „Sisi“ gesehen, ehe sie zu den letzten Sommerferien ihres Lebens aufbrach.

Elisabeth war mehr oder weniger ganzjährig und meist ohne ihren Mann auf Reisen. Ab 1870 mietete sie sich in den Sommermonaten in der feudalen Villa Trauttmansdorff in Meran ein, weil das Klima ihrer lungenleidenden Tochter Marie Valerie gut tat. Ab 1889 – dem Todesjahr des Kronprinzen Rudolf – ließ „Sisi“ sich nach antikem Vorbild auf Korfu das Traumschloss Achilleion bauen. Doch nach ein paar Sommern hatte sie – typisch für Elisabeth – die Freude an dem vom Kaiser finanzierten Marmorpalast verloren, die Aufenthalte wurden seltener und die Rastlose war wieder auf Reisen. Bis sie im Juli 1898 zur Kur im hessischen Bad Nauheim weilte, von wo sie ihre letzte Reise antrat. Sie führte sie in die Schweiz, wo sie am 10. September, am Ufer des Genfer Sees, ihrem Mörder Luigi Lucheni in die Arme lief.

Palast auf Mallorca

Spaniens Königsfamilie muss sich neuerdings auf ihrem Sommerdomizil in Palma di Mallorca einschränken. Keine Sorge, der Prachtgrund, der den Marivent-Palast umgibt, ist inklusive eigenem Meeresstrand immer noch 33.000 Quadratmeter groß, doch wurde im Vorjahr ein Teil des Schlossparks für die Bevölkerung geöffnet. Und das aus gutem Grund, gehört ihr doch das herrschaftliche Gut eigentlich. Ein reicher Kaufmann hatte den Palast 1925 errichtet und nach seinem Tod der Regionalverwaltung hinterlassen. Mit der Auflage, das Anwesen öffentlich zugänglich zu machen. Diktator Franco setzte sich darüber hinweg und „schenkte“ das Schloss, das ihm nicht gehörte, dem künftigen König Juan Carlos, der es zu seiner Sommerresidenz erkor.

Als Kronprinz Felipe 2014 den Thron bestieg, versprach er, die Monarchie erneuern zu wollen. Worauf ihn die Regionalregierung der Balearen beim Wort nahm und aufforderte, wenigstens die Gärten des Marivent-Palastes dem Volk zurückzugeben. Tatsächlich ist seit Mai 2017 rund ein Drittel des Parks öffentlich zugänglich – allerdings nur wenn König Felipe und seine Familie nicht anwesend sind.

Ja, auch die Royals haben so ihre Sorgen.