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Chronik Welt
10/22/2020

Papst zu Homo-„Ehe“: kontroverse Debatte

Österreichische Bischofskonferenz äußert sich zustimmend, Kritik kommt unter anderem aus den USA.

Die Aussagen von Papst Franziskus, in denen er sich für eingetragene Partnerschaften Homosexueller ausgesprochen hat, sorgen für heftige Diskussionen. In einer Passage eines am Mittwoch in Rom vorgestellten Dokumentarfilms sagt Franziskus dem Vernehmen nach: „Homosexuelle haben das Recht, in einer Familie zu leben.“ Und: „Was wir benötigen, ist ein Gesetz, das eine zivile Partnerschaft ermöglicht.“

Klar ist, dass damit keine Änderung des sakramentalen Eheverständnisses der katholischen Kirche bzw. dessen Ausweitung auf gleichgeschlechtliche Paare verbunden ist – es geht um eine Frage weltlichen Rechts. In früheren Aussagen hat Franziskus mehrfach auf das Spezifikum der Ehe als Verbindung zwischen Mann und Frau im Unterschied zu anderen Formen des Zusammenlebens hingewiesen.

Dennoch ist klar, dass mit den nun bekannt gewordenen Äußerungen neue Töne angeschlagen werden. Diese kommen freilich auch wieder nicht gänzlich überraschend, hatte Franziskus doch schon früher Verständnis für Homosexuelle zum Ausdruck gebracht – viel zitiert etwa sein Satz in diesem Zusammenhang: „Wer bin ich, hier zu urteilen“ – ohne freilich einer Ehe für diese das Wort zu reden.

Für die Österreichische Bischofskonferenz hat sich deren Familienreferent, der Innsbrucker Diözesanbischof Hermann Glettler, zu Wort gemeldet. Die katholische Kirche in Österreich pflege seit vielen Jahren einen „bewusst wertschätzenden Umgang“ mit homosexuell orientierten Menschen, erinnerte Glettler. In einigen Diözesen gebe es drüber hinaus spezielle Initiativen und Arbeitskreise, „um Vorurteile abzubauen, spirituelle Heimat zu ermöglichen und mit und für diese Zielgruppe auch als Kirche präsent zu sein“, so der Bischof.

Der Pastoraltheologe Paul Zulehner betont stärker die Zäsur und spricht von einem „großen Schritt nach vorn“, der freilich für „Panik im Vatikan“ sorgen werde und dem Papst „bei seinen konservativen ‚Freunden‘ weiteren Ärger einbringen“ dürfte. Positiv wertete Zulehner, dass sich „ideologische Diskriminierer“ nun nicht mehr auf den Papst berufen könnten.

Ins selbe Horn stößt der Brixener Moraltheologe Martin Lintner. Die Äußerungen des Pontifex müssten „konsequenterweise“ zu einer „Neubewertung von homosexuellen Partnerschaften in der katholischen Lehre“ führen.

„Widerspruch zur Lehre“

Kritische Stellungnahmen kommen indes unter anderem aus den USA: So sieht etwa der Bischof von Providence (Rhode Island), Thomas Tobin, Franziskus mit seinen Äußerungen „in klarem Widerspruch zu der seit Langem bestehenden Lehre der Kirche“.

Die Erzdiözese New York veröffentlichte einen Artikel mit der Überschrift „Wie mit Fehlern des Papstes umzugehen ist“. Der deutsche Kardinal Gerhard Ludwig Müller signalisierte ebenso Bedenken wie sein US-Kardinalskollege Raymond Burke.

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