Chronik | Welt
07.09.2018

Neue Brücke in Genua soll in einem Jahr fertig sein

Neue Brücke in Form eines Schiffs soll "1.000 Jahre überdauern".

Die neue Brücke, die in Genua das am 14. August eingestürzte Viadukt ersetzen soll, soll bis spätestens November 2019 errichtet werden. Das berichtete am Freitag der Präsident der Region Ligurien, Giovanni Toti, bei der Vorstellung des Plans für das neue Bauwerk, das von Stararchitekt Renzo Piano entworfen wurde.

"Wir wollen ein Symbol für die Zukunft der Stadt errichten. Das Projekt Renzo Pianos entspricht der ligurischen Schlichtheit und ist voller Bedeutung. Es kann schnell gebaut werden", sagte Toti. Die Überreste der eingestürzten Brücke sollen bis Ende September abgerissen werden. Die neue Verbindung soll Medienangaben zufolge von der halbstaatlichen Schiffswerft Fincantieri errichtet werden.

Neues Stadtviertel

Unter der Brücke soll dann ein neues Stadtviertel entstehen. Im Rahmen eines internationalen Wettbewerbs will die Stadt Genua das beste Projekt ermitteln, berichtete der Bürgermeister von Genua, Marco Bucci. "Wir wollen das gesamte Areal unter der Brücke ändern." Beim Einsturz des Viadukts waren mehrere Gebäude beschädigt worden. 600 Menschen sind seitdem obdachlos und leben in Hotels.

Der italienische Stararchitekt Renzo Piano hat am Freitagvormittag in Genua seinen Plan für die neue Autobahnbrücke in Genua präsentiert, die anstelle des am 14. August eingestürzten Morandi-Viadukts gebaut werden soll. Das Bauwerk werde einem Schiff ähneln, das die Küste durchkreuzt, zitierte die Tageszeitung "La Stampa" den Architekten aus Genua. Er erstellte den Entwurf kostenlos.

Die Pläne sehen vor, dass die weiße Konstruktion aus Stahl dank Strom aus Solarzellen nachts beleuchtet wird. "Die Brücke soll ein Ort des Lichts, aber ohne Spezialeffekte sein", erläuterte der 80-jährige Piano. Sie werde schlicht sein, im Einklang mit dem Charakter der Stadtbewohner. "Die neue Brücke muss eine Struktur haben, die leicht instand gehalten werden und 1.000 Jahre überdauern kann", sagte der Architekt.

Seit dem Einsturz mit 43 Todesopfern denke er ständig an die Brücke, meinte Piano. "Ich konnte mich nicht zurückziehen. Ich arbeite seit drei Wochen mit großer Intensität an diesem Projekt. Ich arbeite auch an anderen Dingen, doch meine Gedanken kehren immer zur Brücke zurück", sagte der Stararchitekt.

Piano hat viel Erfahrung mit dem Bau von Brücken weltweit. Zu seinen Werken zählt die 900 Meter lange Ushibuka, die drei Inseln in Süden Japans verbindet. Der Architekt hatte schon den Hafen von Genua, der als einer der größten im gesamten Mittelmeerraum gilt, anlässlich der Expo 1992 völlig neu gestaltet. Er verwandelte das ehemals heruntergekommene Viertel in einen beliebten Treffpunkt für Genueser und Touristen.