Chronik | Welt
25.07.2018

Nach Entführung von Vietnamesen: Fast vier Jahre Haft für Helfer

Trinh Xuan Thanh war 2016 nach Deutschland gekommen und hatte politisches Asyl beantragt.

Rund ein Jahr nach der spektakulären Entführung eines vietnamesischen Geschäftsmannes in Deutschlands Hauptstadt Berlin ist ein Tathelfer zu einer Haftstrafe von drei Jahren und zehn Monaten verurteilt worden. Das Kammergericht in Berlin sah es in seinem Urteil vom Mittwoch als erwiesen an, dass der 47-jährige Vietnamese das Entführungs-Auto in Prag gemietet, nach Berlin gebracht und später wieder zurückgefahren hatte. Zudem habe er Tatspuren beseitigt.

Der entführte Trinh Xuan Thanh, ein früherer Vorstandschef eines staatlichen Baukonzerns und ehemaliger kommunistischer Funktionär, war in Berlin ausgespäht und dann am 23. Juli 2017 am helllichten Tag im Tiergarten zusammen mit seiner Geliebten in einen Transporter gezerrt, in die vietnamesische Botschaft gefahren und nach Vietnam gebracht worden. Die Bundesanwaltschaft sieht darin ein "staatlich organisiertes Kidnapping" des vietnamesischen Geheimdienstes.

Lebenslange Haft

In Vietnam wurde Trinh Xuan Thanh wegen Korruption und Misswirtschaft in zwei Verfahren jeweils zu lebenslanger Haft verurteilt. Er war 2016 nach Deutschland gekommen und hatte politisches Asyl beantragt. Der Fall belastet die Beziehungen beider Länder.

Der jetzt Verurteilte habe von den Plänen des vietnamesischen Geheimdienstes gewusst, jedoch nicht zur obersten Kommandoebene gehört, hieß es im Urteil. Er sei der Beihilfe zur Freiheitsberaubung und geheimdienstlichen Agententätigkeit schuldig. Der Angeklagte hatte die Vorwürfe zugegeben, das Gericht hatte dafür ein vergleichsweise mildes Urteil in Aussicht gestellt. Mit dem Strafmaß entsprach das Gericht der Forderung der Bundesanwaltschaft.