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Chronik | Welt
02/11/2019

"Invasion" aggressiver Eisbären in Sibirien: Notstand ausgerufen

Tiere suchten nach Nahrung und drangen in Wohnhäuser ein. Behörden versuchen sie zu verscheuchen.

Wegen einer "Invasion aggressiver Eisbären" haben die Behörden der sibirischen Arktis-Insel Nowaja Semlja den Notstand ausgerufen. Dutzende Bären seien in Wohnhäuser und öffentliche Gebäude eingedrungen. Behörden setzten einen Hilfsappell ab. Auf der Insel mit ihren rund 3.000 Einwohnern befinden sich russische Luftstreitkräfte und Luftverteidigungstruppen befinden.

Eine Genehmigung zur Erschießung der Bären wurde zunächst nicht erteilt. Eisbären gehören zu den gefährdeten Tierarten und dürfen in Russland nicht erlegt werden. Die für Nowaja Semlja zuständigen Regionalbehörden in Archangelsk erklärten allerdings, sollten alle anderen Mittel fehlschlagen, könne das Erschießen der Tiere nicht mehr ausgeschlossen werden.

Die Behörden versuchen nun, die Tiere zu vertreiben. Es werde eine Technik eingesetzt, die Geräusche mache, um die Tiere von der sibirischen Arktis-Insel Nowaja Semlja im Nordpolarmeer zu verscheuchen, hieß es.

Angriff auf Menschen

In einem Bericht an die Regionalbehörden hieß es, seit dem vergangenen Dezember seien 52 Polarbären regelmäßig in Beluschja Guba, der Hauptsiedlung der Insel, aufgetaucht. Einige von ihnen hätten Menschen angegriffen. Eltern hätten Angst, ihre Kinder zum Kindergarten oder in die Schule gehen zu lassen.

Einige Bären würden Menschen "regelrecht jagen", sagte der Chef der örtlichen Behörde, Schiganscha Musin. Er lebe seit 1983 auf der Insel, aber ein Vordringen so vieler Bären habe er noch nie erlebt.

Der Behördenvertreter führte die hohe Zahl der Eisbären in den Siedlungen der Insel auf den Klimawandel zurück: "In den 80er-Jahren ist das Eis um Nowaja Semlja herum auch im Sommer nicht vollständig geschmolzen. Aber jetzt, wenn man Satellitenbilder betrachtet, gibt es kein Eis mehr. Im Winter bildet es sich vor der Küste erst spät."

Auf der Suche nach Futter kämen die Bären zu den Mülldeponien, sagte er der Agentur Interfax zufolge. "Bis 2020 planen wir, alle Mülldeponien vollständig zu beseitigen und eine Verbrennungsanlage zu bauen." Seit fast 40 Jahren wohne er auf der Insel, erklärte er und ergänzte: "So viele Bären gab es noch nie." Auf der Doppelinsel, auf der auch russisches Militär stationiert ist, leben rund 3.000 Menschen.