Chronik | Welt
28.09.2018

Tsunami in Indonesien: Mehrere Tote

Eineinhalb Meter hohe Welle riss Dutzende Häuser auf der Insel Sulawesi mit.

Bei einem Tsunami sind auf der indonesischen Insel Sulawesi am Freitag mehrere Menschen ums Leben gekommen. Über die Uferpromenade der Küstenstadt Palu brach nach einem starken Erdbeben eine hohe Welle herein. Nach Angaben der Behörden riss sie Dutzende Häuser mit. Viele Bewohner gerieten in Panik. Betroffen waren auch andere Ortschaften. Das genaue Ausmaß der Schäden war auch nach Stunden noch unklar.

Die nationale Katastrophenschutzbehörde bestätigte am Abend (Ortszeit), dass "mehrere Menschen" in den Trümmern ihrer Häuser starben. Genauere Angaben machte sie nicht. Nach Angaben von Augenzeugen wurden etwa 50 Gebäude beschädigt, darunter eine Shopping Mall sowie eine Moschee. Die Welle soll etwa eineinhalb Meter hoch gewesen sein. Die Rettungsarbeiten und die Suche nach Opfern wurden durch Dunkelheit erschwert. Zudem stand Wasser in den Straßen.

Das Beben hatte nach offiziellen Angaben eine Stärke von 7,7. Der Sender Metro TV zeigte Aufnahmen, die in Palu mit einer Handykamera gemacht wurden. Darauf ist zu sehen, wie eine mächtige Welle langsam heranrollt und dann mit großer Gewalt Häuser mitreißt. Der Augenzeuge Dio Abdullah sagte: "Ich hatte große Angst, als ich die Wellen auf mich zukommen sah." Ein anderer Bewohner von Palu schrie: "Betet für mich, damit ich das überlebe."

Viele Menschen versuchten, sich in oberen Stockwerken und auf höher gelegenen Straßen in Sicherheit zu bringen. Der Sprecher der nationalen Katastrophenschutzbehörde, Sutop Nugroho, sagte, "viele Gebäude" seien jetzt in Trümmern. Auch andere Küstengemeinden seien betroffen. "Wir sammeln noch Informationen, wie groß der Schaden und die Zahl der Opfer tatsächlich sind." Möglicherweise wird man erst im Lauf des Samstags Genaueres wissen.

 

Die 350.000-Einwohner-Stadt Palu liegt an der Westküste von Sulawesi, einer der größten indonesischen Inseln. Die Behörden hatten kurz nach dem Beben um 18.02 Uhr Ortszeit (13.02 Uhr MESZ) bereits vor einem Tsunami gewarnt, die Warnung dann aber wieder aufgehoben. Die Lage war auch nach Mitternacht (Ortszeit) noch sehr unübersichtlich. In der Region war es inzwischen schon längst dunkel. Unklar war auch, ob der Tsunami vor oder nach der Warnung auf die Küste traf.

Das Zentrum der Erschütterungen lag nach Angaben der US-Erdbebenwarte USGS etwa 80 Kilometer nördlich von Palu in etwa zehn Kilometern Tiefe. Zuvor hatte schon ein Beben der Stärke 5,9 die Insel erschüttert. Nach ersten Angaben der Behörden kam dabei mindestens ein Mensch ums Leben. Mehrere Häuser wurden zerstört.

 

 Indonesien - mit mehr als 260 Millionen Einwohnern einer der bevölkerungsreichsten Staaten - liegt auf dem Pazifischen Feuerring, einer geologisch sehr aktiven Zone. Dort bebt die Erde immer wieder. Bei mehreren Erdstößen auf der bei Touristen beliebten Insel Lombok - der Nachbarinsel von Bali - kamen im Sommer mehr als 500 Menschen ums Leben. Auch Vulkanausbrüche sind in Indonesien keine Seltenheit.

Ein Tsunami (japanisch: Hafenwelle) wird meistens durch starke Erdbeben im Meer ausgelöst. Auf hoher See wird die Woge von Schiffen oft gar nicht bemerkt, in flachen Küstengewässern und engen Buchten können sich die Wassermassen aber zehn Meter und höher auftürmen. Die Wellen fließen weit ins Hinterland und können dort schwere Schäden anrichten.

Am zweiten Weihnachtstag 2004 hatte ein schweres Erdbeben vor der Küste Sumatras einen Tsunami ausgelöst, in dessen Folge in den östlichen Anrainerstaaten des Indischen Ozeans etwa 230.000 Menschen starben.

2011 verwüstete ein Tsunami Teile der japanischen Küste. Rund 18.500 Menschen kamen damals in den Fluten ums Leben, im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi kam es zum Super-Gau.