Chronik | Welt
07.10.2018

Indonesien: Noch immer 5.000 Vermisste nach Erdbeben und Tsunami

Suche nach Vermissten soll am Donnerstag eingestellt werden.

Nach dem Versinken ganzer Nachbarschaften in der indonesischen Stadt Palu ist der Verbleib von rund 5.000 Menschen dort ungeklärt. Im Chaos nach Erdbeben und Tsunami ist unklar, ob sich einige von ihnen retten konnten und sich etwa in Lagern aufhalten. Es fehle von ihnen aber jede Spur, sagte der Sprecher der nationalen Katastrophenschutzbehörde, Sutopo Nugroho, am Sonntag.

Die Zahl der bestätigten Todesopfer stieg nach seinen Angaben auf 1.763. In zwei Teilen der 350.000-Einwohner-Hafenstadt Palu hatte die Erde nicht nur gebebt, sondern sich auch noch verflüssigt. Auf am Samstag veröffentlichten Satellitenbildern ist das Versinken von Gebäuden nachzuvollziehen. Allein im Ortsteil Balaroa verschwanden nach Darstellung des nationalen Rettungsdienstes rund 1.000 Häuser und möglicherweise ebenso viele Bewohner in einer Art Erdloch.

Den anderen davon betroffenen Stadtteil, Petobo, erreichten Helfer des Roten Kreuzes einer Mitteilung zufolge erst nach Tagen: Der Ort am südöstlichen Rand Palus sei komplett ausgelöscht worden, heißt es.

Indonesiens Sicherheitsminister Wiranto sagte, wegen des Ausmaßes der Zerstörung würden in Petobo und Balaroa die Toten möglicherweise gar nicht erst geborgen. Stattdessen könnten die zwei Stadtteile zu Massengräbern erklärt werden.

Die Rettungskräfte in Indonesien stellen die Suche nach Opfern der Erdbeben- und Tsunamikatastrophe am Donnerstag ein. Opfer, die bis dahin nicht geborgen werden können, werden für vermisst erklärt, wie ein Sprecher der Katastrophenschutzbehörde am Sonntag ankündigte. In Einzelfällen könnte die Suche zwar noch fortgesetzt werden. Aber breit angelegte Bergungsaktionen mit vielen Helfern und schwerem Gerät würden auslaufen. Auch mehr als eine Woche nach dem Erdbeben der Stärke 7,5 konnten im Süden der Touristenstadt Palu noch Hunderte verschüttete Opfer nicht geborgen werden. Stellen, an denen die Erde nicht nur gebebt, sondern sich der Boden auch noch verflüssigt hat und ganze Häuser im Schlamm versanken, sollen freigelegt und in öffentliche Plätze wie Parks oder Sportstätten umgewandelt werden. Niemand solle mehr auf so gefährlichem Boden wohnen, sagte der Sprecher der Katastrophenschutzbehörde. Zugleich kündigte er Untersuchungen an, um weitere Gebiete ausfinding zu machen, die von einer sogenannten Bodenverflüssigung bedroht sein könnten.