Greta Thunberg vor dem Weißen Haus

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Chronik Welt
09/13/2019

Greta Thunbergs radikale Mitstreiter

Nicht jeder ist so gesittet wie Greta: Ein britischer Klima-Aktivist wünscht sich Massenverhaftungen, Drohnen sollten Heathrow lahmlegen.

von Susanne Bobek

Greta Thunberg demonstrierte am Freitag vor dem Weißen Haus fürs Klima. Greta ist das freundliche Gesicht der Klimabewegung. Den New Yorker Bürgermeister hat die Schwedin schon für den Schulstreik gewonnen: „New York City steht an der Seite der jungen Leute. Sie sind unser Gewissen. Wir unterstützen den Klimastreik am 20. September“, twitterte Bürgermeister Bill de Blasio.

Während die 16-jährige Greta mit Fridays for Future immer mehr Anhänger um sich schart und Sympathien erntet, propagiert der britische Klimaaktivist Roger Hallam (53) harten zivilen Ungehorsam. Am Freitag und Samstag wollte er den größten Londoner Flughafen, Heathrow, mit Drohnen lahmlegen. Der Mitbegründer der Klimabewegung „Extinction Rebellion“ (Rebellion gegen das Aussterben oder Rebellion für das Leben) ließ sich am Donnerstag in Handschellen aus einem Londoner Café abführen. Denn für die geplante Aktion „Heathrow Pause“ war er bereit, ins Gefängnis zu gehen.

Doktor PhD

Hallam war Biobauer in Wales. Im Vorjahr war er „aufgrund von Extremwetterereignissen gezwungen, seinen Biohof aufzugeben. Bis Juni forschte er am King’s College in London mit seiner Doktorarbeit (PhD) über „zivilen Ungehorsam“. Vor vollen Hörsälen dozierte Roger Hallam, dass nur massenhafter ziviler Ungehorsam eine sinnvolle Protestform sei. Er sagt, dass Bürgerbewegungen in der Vergangenheit nur dann erfolgreich waren, wenn es zu massenhaften Verhaftungen kam. Deshalb stehen Hallam und seine Leute mit vollem Namen zu ihren Aktionen. Die Kinderdrohnen wollten sie in Kopfhöhe über Heathrow kreisen lassen.

Und alleine diese Ankündigung mit anschließender Festnahme machte Roger Hallam mit einem Schlag bekannt.

Am Freitag distanzierten sich Aktivisten von „Extinction Rebellion“ von der Aktion ihres Vordenkers. Einen der wichtigsten Flughäfen lahmzulegen und Straftaten anzukündigen, sei wohl nicht Sinn der Sache.

Doch Roger Hallam sieht das Ende der Zeit nahen: „Wir haben die Wahl: Entweder wir geben uns dem Tod hin, oder wir rebellieren, um die politischen Eliten dazu zu bringen, unser aller Überlebenschancen zu maximieren.“

Aktionen im Oktober

„Extinction Rebellion“ hat auch eine Sektion in Österreich. Ab 7. Oktober wollen die Rebellen mit „groß angelegten gewaltfreien Störaktionen“ die Regierung zum Handeln bringen. Bisher haben die Rebellen schon einmal die Wiener Ringstraße besetzt. Derzeit suchen sie nach Unterstützern in „Rechtsberatung, Finanz-Know-How, Logistik, Kunsthandwerk über Transparente malen bis zu Kompetenzen in Yoga oder Meditation“.

In London haben die Rebellen im November 2018 fünf Brücken gleichzeitig besetzt und blockiert, sich mit Sekundenkleber am Tor des Buckingham Palace festgeklebt oder im März 2019 kübelweise Kunstblut vor der Downing Street ausgekippt. In Deutschland besetzten Aktivisten im April stundenlang die Berliner Oberbaumbrücke und im Juli die Deutzer Brücke in Köln, beides wichtige Nadelöhre des Großstadtverkehrs. Und auch auf den Salomonen gibt es bereits Rebellen gegen das Aussterben.