Stronach-Prozess wegen Missbrauchsvorwürfen in Kanada gestartet

Die erste Klägerin sagt gegen Stronach aus.
FRANK STRONACH

Nach mehreren Verzögerungen hat der Prozess gegen den österreichisch-kanadischen Magna-Gründer Frank Stronach wegen Missbrauchsvorwürfen in Toronto am Donnerstag offiziell begonnen. Stronach war laut einem Bericht der öffentlich-rechtliche Canadian Broadcasting Corporation (CBC) am ersten Prozesstag anwesend. Er bekennt sich nicht schuldig und weist die Anschuldigungen von sich.

Die stellvertretende Staatsanwältin Julia Bellehumeur legte zunächst die Vorwürfe gegen den Milliardär dar. Sie beschrieb laut CBC, dass mehrere Fälle einem einheitlichen Muster folgen würden: So soll Stronach Frauen in eine Wohnung in Toronto mitgenommen, sie dann überwältigt und sexuell missbraucht haben, so Bellehumeur. Die Übergriffe seien ohne Zustimmung der Frauen erfolgt, Stronach habe das "gewusst oder bewusst ignoriert".

Im Anschluss machte eine der sieben Klägerinnen ihre Aussage. Sie sei 1981 von Stronach sexuell genötigt worden. Insgesamt werden laut CBC die Anschuldigungen von zwölf Frauen gegen Stronach in Kanada verhandelt, wobei diese in zwei Verfahren gesplittet wurden. Beim Prozess in Toronto werden die Vorwürfe von sieben Frauen behandelt, die übrigen Vorwürfe sollen später im Jahr in Newmarket (Ontario) verhandelt werden. Die Verhandlung in Toronto findet nur vor einer Richterin statt, eine Jury gibt es nicht.

Mehrere Verzögerungen

Ursprünglich hätte der Prozess bereits vor mehr als einer Woche starten sollen. Stronachs Verteidigerin, Leora Shemesh, hatte jedoch das kanadische Gericht zunächst um Aufschub gebeten, um neue Unterlagen sichten zu können. Wenige Tage später stellte sie einen Antrag auf Aussetzung des Verfahrens, da sie befürchte, dass einige Zeugen von der Staatsanwaltschaft beeinflusst ("coached") wurden.

Vorwürfe reichen bis in die 70er-Jahre zurück

Gerichtsdokumenten zufolge reichen die Anschuldigungen der versuchten Vergewaltigung gegen Stronach bis ins Jahr 1977 zurück. Weitere Frauen werfen dem Milliardär Vergewaltigung und sexuelle Übergriffe in den 1980er, 1990er- und frühen 2000er-Jahren vor. Einige Vorfälle ereigneten sich demnach in Toronto, weitere auch in der kanadischen Stadt Aurora, wo Stronachs ehemalige Firma Magna International ihren Hauptsitz hat. Auch im Frühjahr 2023 soll der Milliardär sexuelle Übergriffe gegenüber Frauen verübt haben. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Stronach, gebürtiger Steirer, hat in Nordamerika den Magna-Konzern aufgebaut, der vor allem in der Auto-Industrie reüssierte. In Österreich wurde der heute 93-Jährige durch sein Sport-Investment im Fußball und Pferdesport sowie als Gründer der kurzzeitig auch im Nationalrat vertretenen Partei Team Stronach einer breiten Öffentlichkeit bekannt.

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