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Chronik Welt
01/13/2019

Danzigs Bürgermeister bei Messerangriff verletzt: Zustand ernst

Ein Angreifer hatte beim Finale einer landesweiten Spendenaktion die Bühne gestürmt und Adamowicz mit einem Messer attackiert.

Danzigs Bürgermeister Pawel Adamowicz ist während des Finales einer landesweiten Spendenaktion am Sonntagabend von einem Messerangreifer verletzt worden. Sein Zustand sei ernst, sagte Polens Innenminister Joachim Brudzinski beim Sender TVN24 und verurteilte den Angriff als "Akt der Barbarei" und twitterte, dass es höchste Zeit sei, den "Wahnsinn des Hasses zu stoppen."  Adamowicz sei nach dem Angriff reanimiert worden und befindet sich in kritischem Zustand.

Laut Danziger Polizei kam der Bürgermeister anschließend ins Krankenhaus. Dort werde er operiert, berichteten polnische Medien. Er sei medizinisch bestens umsorgt, sagte einer der Ärzte des Universitätsklinikums dem Sender TVN24. Nähere Angaben zu seinem Gesundheitszustand gab es zunächst nicht. Für Montag kündigte das Krankenhaus eine Pressekonferenz an.

Motiv womöglich Rache

Ein Angreifer hatte Medienberichten zufolge beim Finale einer landesweiten Spendenaktion die Bühne gestürmt und Adamowicz mit einem Messer attackiert. Motiv könne Rache für eine Haftstrafe gewesen sein, schrieben polnische Medien. Der Mann soll während des Angriffs gerufen haben, dass er unschuldig in Haft gewesen sei, hieß es unter Berufung auf Augenzeugen.

Augenzeugen zufolge riss der Angreifer auf der Bühne ein Mikrofon an sich und rief, er sei von der früheren Regierung der Bürgerplattform(PO) ins Gefängnis gebracht und dort gefoltert worden. Die PO hatte Adamowicz bei der letzten Kommunalwahl im Herbst unterstützt. Der 53-Jährige ist seit 1998 Bürgermeister von Danzig.

Der Angreifer wurde noch auf der Bühne von Sicherheitskräften überwältigt und dann von der Polizei festgenommen. Zeugen berichteten dem Online-Portal onet.pl, das Publikum hätte nicht gewusst, was auf der Bühne vor sich ging. Der Angreifer wurde für einen Teil der Show gehalten, weil er sich auf der Bühne frei bewegen konnte. 

Der 27-jährige Mann ist wegen bewaffneten Banküberfällen vorbestraft und wurde zu insgesamt fünfeinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Insgesamt erbeutete er 15.000 Zloty (umgerechnet circa 4.000 Euro). Im Laufe der Ermittlungen zu den Überfällen äußerte er gegenüber der Staatsanwaltschaft, dass er das Geld "selbst nicht verdienen könnte". In seiner Akte ist auch ein Angriff auf einen Polizisten vermerkt. 

Polen im Schockzustand

Präsident Andrzej Duda betonte auf Twitter, dass normalerweise seine Ansichten, wie "öffentliche und Polens Angelegenheiten" geführt werden sollten, sich nicht mit denen von Adamowicz decken. Heute sei er aber bedingungslos mit ihm und bete für seine Rückkehr zur Gesundheit und vollsten Kräften. Später informierte Duda, die behandelten Ärzte hätten sein Herz wieder zum Schlagen gebracht, der Zustand sei aber weiterhin sehr kritisch. 

Weitere Politiker äußerten auf Twitter ihr Mitgefühl und stimmten in den Tenor ein. Londons Bürgermeister Sadiq Khan und EU-Ratspräsident Donald Tusk, der aus Danzig stammt, twitterten ebenfalls, dass sie für Adamowicz beten. Tusk beendete seinen Tweet mit den Worten: "Pawel, wir sind bei dir." 

Die Stadt Danzig hat für alle Teilnehmer der Charity-Aktion psychologische Betreuung organisiert. Vier Psychologen sind bereits am Ort des Geschehens aktiv, weitere können Hilfe unter einer Hotline anfordern.