Chronik | Welt
06.09.2018

Chemieunglück auf der Krim: Tausende Menschen in Sicherheit gebracht

Offenbar giftige Stoffe von Fabrik in die Luft gelangt. Unglück tagelang vertuscht?

Auf der Schwarzmeer-Halbinsel Krim sind nach einem offenbar tagelang vertuschten Chemieunglück tausende Menschen evakuiert worden. In der Stadt Armjansk im Norden der von Russland annektierten Halbinsel wurden fast 4000 Menschen evakuiert, darunter viele Kinder, wie die Behörden am Donnerstag mitteilten.

Bereits am Mittwoch hatte Vize-Gesundheitsminister Valentin Sawtschenko gesagt, vier Menschen würden im Krankenhaus behandelt.

Vorfall bereits im August

Auslöser ist offenbar ein Vorfall in der Chemiefabrik "Krimski Titan" in Armjansk. Dort waren nach Angaben des Gouverneurs der Krim, Sergej Aksjonow, bereits in der Nacht vom 23. auf den 24. August chemische Stoffe in die Luft gelangt. Am folgenden Tag machten in den sozialen Netzwerken Nachrichten von Hustenanfällen und Augenreizungen die Runde, Fotos zeigten unter anderem mit einer öligen Flüssigkeit bedeckte Autos.

Evakuierungen erst seit Dienstag

Die Behörden ordneten aber erst am vergangenen Dienstag Evakuierungen an - nach Protesten hunderter Menschen in Armjansk. Die Produktion der Chemiefabrik wurde für zwei Wochen ausgesetzt.

Das Werk mit fast 5000 Mitarbeitern produziert in erster Linie Titandioxid für die chemische Industrie. Es nützt einen künstlichen See, um Schwefelsäure zu verdünnen. Seit die ukrainische Regierung den Versorgungskanal zu dem See sperrte, ist der Wasserpegel aber gesunken. Dadurch steigt das Risiko, das giftige Stoffe in die Umwelt gelangen. Krim-Gouverneur Aksjonow machte deswegen die Ukraine für das Chemieunglück verantwortlich.

Dagegen warf der ukrainische Präsident Petro Poroschenko der russischen Armee vor, die Verantwortung für die "Umweltkatastrophe" zu tragen. Russisches Militärtraining habe "zur Zerstörung von Schutzmechanismen für die Umwelt" geführt.