Chronik | Welt
08.07.2018

Rettungsaktion in Thailand: Sechs Buben bereits gerettet

Sechs Jungfußballer und der Trainer sitzen noch in der Höhle fest. Die schwierige Tauchoperation kommt rascher voran als erwartet.

Die Rettungsaktion für die in einer thailändischen Höhle eingeschlossene Fußballmannschaft kommt rasch voran: Insgesamt sechs Buben haben die Höhle bereits verlassen, wie ein Vertreter des thailändischen Verteidigungsministeriums am Sonntag sagte. Damit sitzen nun noch sechs Kinder und ihr Trainer in der Tham-Luang-Höhle fest.

Die ersten der geretteten Buben wurden am Sonntag bereits per Krankenwagen und Rettungshubschrauber ins Krankenhaus gebracht. Die Einsatzkräfte hatten mit dem hoch riskanten Einsatz zur Rettung der seit gut zwei Wochen in der überfluteten Höhle festsitzenden zwölf Buben und ihres Trainers begonnen, weil die Zeit abzulaufen droht.

Sinkende Wasserstände in der teilweise überfluteten Höhle könnten die Rettungsmission beschleunigt haben. Taucher hatten sich am Sonntagmorgen auf den Weg zu den eingeschlossenen Jugendlichen gemacht. Ursprünglich geplant war, dass jeweils zwei Taucher einen der Buben nach draußen bringen sollten. Für Sonntagabend wurden weitere Monsunregen vorhergesagt, die den Wasserspiegel in der überfluteten Tham-Luang-Höhle weiter ansteigen lassen dürften.

"Heute ist der Tag X"

Die Rettungsaktion für die zwölf in einer Höhle in Thailand eingeschlossenen Buben und ihren Fußballtrainer hatte heute begonnen. "Ich kann bestätigen, dass wir heute für den Einsatz bereit sind", sagte der Provinz-Gouverneur Narongsak Osotthanakorn. "Das Wetter ist gut. Der Wasserstand ist gut. Die Taucher sind bereit. Die Buben sind körperlich, seelisch und psychisch bereit, herauszukommen."

Bei der Operation sollte jeder Bub von zwei Tauchern begleitet werden, erklärte der Gouverneur, der die Aktion auch leitet. "Heute ist der Tag X." Die Buben sollen nach und nach herausgebracht werden. Der Einsatz, der um 10.00 Uhr Ortszeit (05.00 MESZ) begann, wird nach Angaben des Krisenstabs zwei bis drei Tage dauern. Die Dauer des riskanten Einsatzes hänge unter anderem vom Wetter ab.

"Wir bringen sie nach Hause"

Das Taucherteam hat sich darauf eingeschworen, die eingeschlossenen Jungfußballer nach draußen zu bringen. Auf der Facebook-Seite der thailändischen Marinetaucher posteten sie ein Bild, das ihren Teamgeist zeigt. Drei Taucher fassen sich an den Handgelenken, nur ihre Hände und Unterarme sind zu sehen, wie sie ein Dreieck bilden.

"Wir, das Thai Team und das internationale Team, werden die Wild Boars nach Hause bringen", steht darunter. "Wild Boars" (Wildschweine) ist der Spitzname des Buben-Fußballteams, das seit 23. Juni in der Höhle bei Chiang Rai festsitzt.

Die Fußballmannschaft war in die Höhle gegangen und von steigenden Wassermassen überrascht worden. Neun Tage später wurde sie von Tauchern gefunden und mit Lebensmitteln versorgt. Insgesamt sind an der Aktion 18 Taucher beteiligt, auch Experten aus Großbritannien und Australien. Darunter ist auch ein australischer Mediziner, der Erste Hilfe leisten könnte. 

Ein Bild von der Schwierigkeit des Einsatzes vermittelt dieses auf Twitter veröffentliche Video. Unter welchen Umständen es gedreht wurde, konnte noch nicht festgestellt werden.

Die Buben im Alter von elf bis 16 Jahren und ihr 25-jähriger Fußballtrainer sind seit dem 23. Juni in der überfluteten Höhle in der Provinz Chiang Rai eingeschlossen. Sie sitzen an einer trockenen Stelle etwa vier Kilometer im Höhleninneren fest. Sauerstoffmangel und schlechte Wetteraussichten erhöhten den Druck auf die Retter. In den nächsten Tagen soll es wieder heftige Regenfälle geben. Am Aufenthaltsort der Gruppe ist der Sauerstoffgehalt in der Luft von 21 Prozent auf 15 Prozent abgesunken.

Am Sonntag waren Sporttaucher und Sanitäter an der Höhle angekommen. Darüber hinaus wurde das in der Nähe des Höhleneingangs platzierte provisorische Mediencamp mit mehr als 1000 thailändischen und ausländischen Journalisten geräumt. Neu ankommenden Reportern wurde der Zugang verwehrt. Sie wurden mit der Ansage, später werde eine Pressekonferenz folgen, zu einem Regierungsgebäude weitergeleitet.

 

Das Gelände werde für den Rettungseinsatz benötigt, teilte die Polizei mit. "Von der Lagebewertung her brauchen wir das Gebiet, um den Opfern zu helfen", hieß es.

Die Rettungsaktion ist äußerst gefährlich: Ein Taucher kam bereits vor wenigen Tagen im Einsatz ums Leben. Selbst die professionellen Taucher benötigten fünf bis sechs Stunden, um von der Gruppe zum Ausgang zu gelangen. Darüber hinaus sind einige der Buben keine guten Schwimmer.
 

Letzte Möglichkeit für Rettung

Angesichts drohender neuer Regenfälle konnten die Verantwortlichen für die Höhlenrettungsaktion in Thailand nach Einschätzung des deutschen Experten Martin Groß nicht mehr länger warten. "Wenn die Wassermassen nicht mehr beherrschbar werden und zudem die Gefahr besteht, dass die Jugendlichen bis zu vier Monate eingeschlossen sein werden, muss man handeln", sagte Groß am Sonntag. Der 39-Jährige ist aktiver Höhlenretter und Geschäftsführer des ehrenamtlichen Vereins Höhlenrettung Baden-Württemberg.

Das Risiko, die Kinder mit Tauchern durch die engen Wasserläufe der Höhle ins Freie zu bringen, sei zwar hoch, sagte Groß. "Man kann das den Kindern zutrauen, aber genauso könnte auch jemand in Panik verfallen." Besonders wichtig sei, die Kinder genau zu instruieren, was auf sie zukomme und was von ihnen erwartet werde. "Sie müssen Vertrauen fassen zu ihren beiden Rettern, die sie nach unseren Informationen jeweils begleiten sollen."

Rettungseinsatz unter schwierigen Bedingungen

Die eingeschlossenen elf- bis 16-jährigen Buben haben keinerlei Taucherfahrung - einige können nicht einmal schwimmen. Experten haben sie in den vergangenen Tagen trainiert und ihnen beigebracht, Tauchmasken und Atemgeräte zu benutzen. Jeder wird außerdem von zwei Tauchern aus der Höhle begleitet - selbst für diese ist der Weg allerdings eine Herausforderung.

Besonders die ersten rund zwei Kilometer sind extrem schwierig - die Buben müssen durch kurvige Tunnel tauchen und Felswände hoch und runter klettern. Provinzgouverneur Narongsak Osottanakorn hält besonders eine enge Stelle an einer Abzweigung für kritisch.

Haben sie es erst einmal dort hindurch geschafft, soll es einfacher werden: In den Tunneln auf dem Rest des Weges haben die Kinder mehr Bewegungsfreiheit. Der Wasserstand ist dort niedriger und sie können teilweise laufen anstatt zu tauchen.

Selbst professionelle Taucher benötigen mehr als fünf Stunden für die gesamte Strecke. Nach neun Tagen in der Höhle waren die Buben am 2. Juli abgemagert und geschwächt gefunden worden. Zwar erhielten sie seitdem dringend benötigte Nahrung und Medikamente - vollständig zu Kräften sind sie aber noch nicht wieder gekommen.

Einige Retter verglichen die Sichtverhältnisse in der Höhle wegen des schlammigen Wassers mit kaltem Milchkaffee - sich dort hindurchzubahnen, ist auch für die Experten nicht einfach. Die Taucher haben Seile installiert, um sich daran entlang zu hangeln, die Strecke sollte zudem mit Taschenlampen beleuchtet werden. Die Kinder sind nach mehr als zwei Wochen in der Höhle ohnehin bereits traumatisiert - es wäre fatal, wenn auch nur einer von ihnen auf dem Weg nach draußen in Panik geraten würde.

Milliardär Musk wünschte Rettern viel Glück

Unternehmer Elon Musk hat den Höhlenrettern in Thailand viel Erfolg für ihre riskante Rettungsaktion gewünscht. Nachdem bekannt wurde, dass Taucher die eingeschlossenen Buben am Sonntag aus der Höhle holen sollen, twitterte Musk, er wünsche dem "extrem fähigen Taucherteam" alles Gute. Wegen des Monsunregens sei der Einsatz nun vernünftig.

Zuvor hatte es wohl Gespräche mit dem Tech-Milliardär gegeben, dass sein Unternehmen bei der Rettungsaktion mit einem Mini-U-Boot helfen könne. Am Freitag hatte der 47-Jährige angekündigt, Ingenieure seiner Unternehmen SpaceX und The Boring Company seien auf dem Weg nach Thailand. Zudem gebe es Überlegungen, ein U-Boot in Kindergröße zu bauen. Seine Techniker würden dafür etwa acht Stunden brauchen. Mit dem Taucheinsatz dürfte sich dieses Projekt überholt haben.