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Chronik | Welt
05/14/2019

Armbrust-Bluttat in Passau: Tötung auf Verlangen

Die Armbrust-Mordopfer waren Ritterfans. Die Staatsanwaltschaft geht von erweitertem Suizid im Mittelalter-Stil aus.

Die zwei Armbrust-Toten von Passau, die mit Pfeilen ins Herz von der 30-Jährigen Farina C.  getötet und dann mit weiteren Pfeilen durchbohrt wurden, waren Mitglieder eines Rittervereins. Laut Obduktionsbericht hat sich Farina C. dann einen tödlichen Pfeilschuss in den Hals versetzt. Die Passauer Polizei geht von einem erweiterten Suizid aus, also von Tod auf Verlangen. Doch wie die zwei toten Frauen in Farinas Wohnung in Wittingen in Niedersachsen dazu passen, bleibt vorläufig ein großes Rätsel in diesem an sich mysteriösen Fall.

Testament

Torsten W. (53) und seine Lebensgefährtin Kerstin E. (33) haben beide ein Testament hinterlassen über dessen Inhalt bisher nichts bekannt ist.  Farina C. hat nichts Schriftliches hinterlassen. Ihre Lebensgefährtin, eine 35-jährige Volksschullehrerin, ist eine der Toten von Niedersachsen. Das andere Opfer war 19 Jahre alt. Die Toten in Wittingen weisen keine Spuren von Gewalt auf. Die Todesursache wird erst die Obduktion klären.  

Mittelalter-Geschäft

Torsten W. hatte in  Hachenburg in Rheinland-Pfalz  in einem Industriezentrum ein Mittelalter-Geschäft namens „Milites conductius“ – lateinisch richtig wäre conducti – ein Haufen Soldaten. In den Räumen ohne viel Ware verkaufte er Spirituosen, Waffen und Kleidung.

Blutige Puppe

An den Wänden hingen Tempelritter-Fahnen und auf dem Verkaufstresen stand eine Schaufensterpuppe – mit an Blut erinnernder roter Farbe beschmiert, in Strapsen, mit Seilen und Ketten gefesselt, den Kopf bandagiert.  Manche Zeitungen spekulieren, dass es sich bei den Opfern um eine Sex-Sekte handeln könnte. Eine mittelalterliche Sado-Maso-Gruppe vielleicht.

Auf der Facebook-Seite von „Milites conductius“ sind mit Honigbier und Met gefüllte Holzkisten und Regale zu sehen.  Dienstags und Donnerstags gab es dort ein Schwertkampftraining.
 „Eine wohlschmeckende Auswahl an Met und eine gute, freundliche Beratung“, schrieb ein Kunde in den Bewertungen.

Bäckerei-Verkaufsleiterin

Farina C. war erst seit März in Wittingen gemeldet und im zivilen Leben Bäckerei-Verkaufsleiterin. Ihre Leidenschaft aber gehörte der Mittelalter-Szene, dem bunten Treiben auf den Mittelalter-Märkten mit Gauklern und Ritterturnieren. In der Szene gründete  der Belgier Frederic Piraux eine Turnier-Liga „International Jousting League“ die aber wenig Erfolg hatte, da sich die Mitglieder nicht auf klare Regeln einigen konnten.  
Der Tod mit der Armbrust passt irgendwie in dieses Mittelalter-Szenario mit Rittern  und Burgfräulein. „Weitere Angaben zu den Hintergründen und in welcher Beziehung die Personen zueinander standen, sind aktuell Gegenstand der Ermittlungen“, erklärt Stefan Gaisbauer vom Polizeipräsidium Niederbayern. Eine Armbrust ist leicht zu besorgen und auf Will-Haben bereits unter 100 Euro zu haben. Möglicherweise haben die Passauer Armbrust-Toten zumindest ein Gerät in Österreich gekauft. In der Pension „Zur Triftsperre“ am Rande Passaus fielen die drei Bewohner eines Dreibett-Zimmers nicht weiter auf. Die beiden Frauen waren aber „auffällig schwarz gekleidet“.