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Chronik Welt
03/16/2019

Letzte Ehren für Krokodil Bismarck

Über 80 Jahre ist Krokodil Bismarck geworden. Die Kleinstadt Cardwell nahm Abschied von dem "netten Riesen".

Trauertag in Australien um eines seiner ältesten Krokodile. Im nordostaustralischen Küstenort Cardwell haben rund 50 Einwohner am Samstag Abschied von ihrem Mitbürger "Bismarck" genommen - einem viereinhalb Meter langen Leistenkrokodil. 80 Jahre wurde das Tier alt. Zum Abschied erklang "Crocodile Rock" von Elton John.

Bismarck, wohl benannt nach dem deutschen Reichskanzler (1815-1898), aber auch unter den Namen "Fluffy" oder "Gary" bekannt, dürfte Wilderern zum Opfer gefallen sein. Jedenfalls ranken sich um seinen Tod Gerüchte: So sprach jener Fischer, der das tote Reptil Anfang März in der Nähe von Cardwell fand, von mehreren Schusswunden im Hinterkopf. Der örtliche Parlamentsabgeordnete Nick Dametto widersprach und sagte, dafür gebe es keinerlei Beweise. Zur Todesursache ermittelt die Polizei.

Bei der Trauerfeier sagte Organisatorin Thea Ormonde, "Bismarck" habe Cardwells Einwohner und Touristen erfreut, indem er sich ihnen aus sicherer Entfernung gezeigt habe. "Ich glaube, er lebte nach der Überzeugung 'wenn ihr mich in Ruhe lasst, lass' ich euch auch in Ruhe.“

"Gute Seele"

Mehrere Einwohner der Kleinstadt nahe Cairns äußerten sich nach Bekanntwerden seines Todes tief betrübt. Ormonde erinnerte sich im Fernsehen daran, wie sie schon als Kind mit ihrem Vater am Ufer gesessen und das Krokodil beobachtet habe. Meist habe "Bismarck" nur faul in der Sonne gelegen. "Bismarck" war einer von uns. Er war Teil unserer Gemeinde. Das war ein netter Riese, nie aggressiv", sagte Ormonde. "Er war eine Seele, so gut, wie Krokodile eben sein können."

Ein anderer Anrainer, Ryan Moody, stellte Aufnahmen des toten Tiers ins Internet. "Dieses Krokodil war für Menschen nie eine Gefahr", sagte der Fischer. "Er hat einfach nur Schildkröten gemocht." Die Nachbarn befürchten nun, dass andere, gefährlichere Krokodile "Bismarcks" Revier übernehmen könnten. Die Polizei leitete Ermittlungen ein, von wem und unter welchen Umständen das Tier getötet wurde. Allerdings gibt es in Cardwell auch Leute, die nicht glauben, dass "Bismarck" tatsächlich tot ist. Sie hoffen, dass es sich bei dem erschossenen Krokodil um ein anderes Tier handelt.