Immer wieder werden ältere oder kranke Menschen ins Krankenhaus abgeschoben – ein Trend, der in den vergangenen Jahren entstanden ist.

© Getty Images/dddb/iStockphoto

Chronik Österreich
12/23/2019

Zu den Feiertagen ins Spital abgeschoben

In der Weihnachtszeit werden vermehrt ältere und kranke Familienmitglieder im Krankenhaus „geparkt“.

von Kevin Kada

Die Weihnachtsfeiertage nutzen viele Familien, um zur Ruhe zu kommen und den Stress des vergangenen Jahres abzubauen. Ein Phänomen, das mit dieser Zeit einhergeht, zeigt sich in vielen Krankenhäusern. Wie der KURIER von mehreren anonymen Quellen erfahren hat, bringen viele Familien ihre älteren und vor allem pflegebedürftigen Familienmitglieder über die Weihnachtsfeiertage ins Krankenhaus.

Und zwar ohne, dass diese wirklich krank sind. Die Familien machen das vermeintlich, um sich ein bisschen Ruhe zu gönnen. Diesen „Trend“ bestätigt auch die Krankenhausseelsorge der Erzdiözese Wien. „Ja, diese Dinge kommen leider vor“, sagt Pressesprecher Peter Hartenberger.

Bedienstete aus den Krankenhäusern erzählen dem KURIER, dass die Patienten am 23. Dezember mit ausgedachten Beschwerden ins Spital gebracht werden. „Da kommt jemand mit einem angeblichen Leiden und wird dann auf eine Station gebracht und dort aufgenommen. Im Lauf der Tage stellt sich aber heraus, dass die Person gar nicht krank ist“, schildert eine Krankenpflegerin. Dann werden die vermeintlichen Patienten wieder abgeholt.

Für die, die abgeschoben werden, ist die Situation schwierig. „Sie spüren die emotionale Belastung“, sagt eine Medizinerin aus einem Spital in Niederösterreich, die unerkannt bleiben will. Die Patienten fragen dann, wann sie wieder nach Hause dürfen. „Besonders schlimm ist es, wenn die Familie zu den Feiertagen nicht einmal zu Besuch kommt.“

Manche wollen auch nicht alleine sein

Markus Pederiva, Sprecher des Wiener Krankenanstaltverbundes (KAV), sind Fälle wie die geschilderten nicht bekannt. Aber: „Dass kranke oder pflegebedürftige Menschen eine Belastung sein können, ist verständlich. Und dass diese Belastung die handelnden Personen zu so etwas bringt, will und kann ich nicht ausschließen.“

Allerdings: Es gibt auch die andere Seite. „Viele Menschen haben keine Familie mehr und wollen zu Weihnachten nicht alleine zu Hause sein“, sagt Peter Hartenberger von der Diözese. Sie lassen sich ins Spital bringen, sagen, es gehe ihnen nicht gut – und hoffen so, die Feiertage nicht alleine verbringen zu müssen. Genau hier setzt die Krankenhausseelsorge an.

Jutta Angerler (49) ist seit 2017 Seelsorgerin im Wiener Wilhelminenspital. Nach einer dreijährigen Ausbildung ist nun als katholische Seelsorgerin auf der Krebsstation tätig – ein spezieller Ort. „Der Tod ist immer irgendwie ein Thema. Gerade auf der Onkologie. Aber man muss lernen, damit umzugehen“, sagt sie.

In ihrer Zeit als Seelsorgerin hat die 49-Jährige viele Geschichten gehört und miterlebt. Eine blieb ihr besonders in Erinnerung: „Da gab es eine Patientin, die so alt war wie ich. Sie hatte auch Kinder, war an Krebs erkrankt und starb daran. Das nimmt man dann mit nach Hause.“ Ansonsten versucht Angerler, alles in der Kapelle zu lassen. „Vor und nach jeder Besuchsrunde bete ich und gebe alles an Gott weiter. Er muss dann entscheiden, was damit passiert“, sagt sie.

Dass Angerler überhaupt Seelsorgerin wurde, war für sie ein „Zeichen Gottes“. Der Gedanke kam ihr bei einer Pause ihrer Laufrunde, auf einer Bank gegenüber der Kirche am Gelände des Wilhelminenspitals: „Das war für mich der Startschuss für meine ehrenamtliche Tätigkeit.“

Die Krankenhausseelsorger müssen eine zweijährige theologische und eine einjährige praktische Ausbildung absolvieren, ehe sie für Patienten da sein können. Die Erzdiözese Wien sucht immer wieder nach interessierten Freiwilligen, die in den Spitälern der Stadt ihren ehrenamtlichen Dienst verrichten wollen.

Die Krankenhausseelsorge ist aber nicht die einzige Möglichkeit, um an den Feiertagen oder in belastenden Zeiten Rat zu bekommen. Auch die Telefonseelsorge unterstützt jene, die über eine Herzensangelegenheit sprechen möchten. Unter dem Notruf 142 können die ehrenamtlichen Mitarbeiter anonym und kostenlos kontaktiert werden. Sie  haben eine einjährige Schulung hinter sich und stehen unter Schweigepflicht.  

Die Telefonseelsorge ist  rund um die Uhr, an jedem Tag des Jahres erreichbar. Wer nicht so gerne telefoniert, kann die Mitarbeiter auch per eMail oder Chat kontaktieren.
Chat und Mail Der Sofortchat der Telefonseelsorge ist Dienstag, Mittwoch, Freitag und Sonntag jeweils von 18 bis 20 Uhr geöffnet.

Termine kann man online auf www.telefonseelsorge.at buchen.

Auch die  eMail-Beratung ist über die Website erreichbar, geantwortet wird normalerweise innerhalb von 48 Stunden.

 

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