Chronik | Österreich
14.09.2018

WWF lässt an Gesetzesänderung für Wolfabschuss kein gutes Haar

Ab wann ist ein Wolf ein "Problemwolf": Diese heikle Entscheidung fällen demnächst Bezirkshauptleute

Das Land NÖ will kommende Woche das Landesjagdgesetz ändern. Wenn ein Wolf zur Gefahr für Menschen wird, sollen Bezirkshauptleute die Möglichkeit bekommen, Jagdausübungsberechtigte mit dem Abschuss von Problemwölfen zu beauftragen. Eine Vorgangsweise, die dem WWF als „völlig übertriebene“ und „populistische Schnellschuss-Aktion“ erscheint.

„Damit will die Landesregierung von ihren eigenen Versäumnissen im Wolfsmanagement ablenken“, hieß es am Freitag in einer Aussendung. Jahrelang sei wenig bis nichts getan worden, um die Bevölkerung sachlich zu informieren, Weidetierhalter zu unterstützen und fachgerechten Herdenschutz zu ermöglichen. Daher werde jetzt eine Sicherheitsgefährdung herbeigeredet, um Abschüsse zu rechtfertigen.

„Gleichzeitig wird der EU-rechtlich gesicherte Artenschutz konsequent schlechtgeredet“, betont WWF-Experte Christian Pichler. Man müsse die Sorgen der Bevölkerung ernst nehmen, aber anstatt ein seriöses Wolfsmanagement aufzubauen werde sofort nach der Flinte gegriffen. Offen bleibt aus Sicht von Tierschützern, wie ein sogenannter „ Problemwolf“ definiert werde. „Ein Wolf, der ungenügend geschützte Nutztiere reißt, kann jedenfalls kein Problemwolf sein“, meint Andrea Specht, Präsidentin des nö. Tierschutzverbandes.

„Letztes Mittel“

Der Abschuss sei nur das letzte Mittel, wenn andere nicht helfen, betonte Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf. Die Änderung solle auch kein „Freibrief“ sein. Ausnahmeregelungen für Wolfabschüsse sehe auch die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der EU vor, so der Wolfsbeauftragte Georg Rauer. Abschüsse müsse man aber begründen und eine solche Entscheidung könne von der EU überprüft werden.