© Andreas Schödl

Chronik Österreich
11/27/2020

Grundbedürfnis Punsch: Wie passt das zum Lockdown?

Der zweite Lockdown in der Vorweihnachtszeit macht vielen Österreichern zu schaffen. Um etwas in Stimmung zu kommen, schenken Lokale Punsch to go aus – das ist grundsätzlich erlaubt.

von Birgit Seiser, Kevin Kada

Stellen Sie sich vor, es ist Lockdown, und keiner macht mit. Dieser Spruch passt gut zu dem Bild, das sich in vielen Städten Österreichs derzeit zeigt. Denn obwohl man eigentlich nur im Notfall nach draußen gehen sollte, wollen sich die Österreicher die Vorweihnachtszeit offenbar davon nicht verderben lassen.

Samstagnachmittag im ersten Bezirk. Schon am fünften Tag des Lockdowns vergangene Woche bemerkte man von den Covid-19-Maßnahmen der Regierung nicht viel. Denn die Wienerinnen und Wiener waren trotz allem unterwegs – auf der weihnachtlich geschmückten Kärntner Straße, über den Stephansplatz in Richtung Rotenturmstraße, teilweise auch in Gruppen von vier bis zehn Personen. Ob das immer maßnahmengerecht war, ist zu hinterfragen.

Bei einem netten Spaziergang darf zu dieser Jahreszeit natürlich eines nicht fehlen: der Punsch. Einen Becher davon hielten sehr viele in Händen. Doch ist das überhaupt erlaubt?

Anzeige gegen "Standl"

Ein Punschstand in der Wiener City bekam vergangenes Wochenende deshalb Probleme mit der Polizei. Rund 30 Personen hatten sich dort einen Punsch to go gekauft, hatten aber das „to go“ missachtet und waren direkt vor dem Standl stehen geblieben. Die Polizei löste das vorweihnachtliche Trinken daraufhin auf, weil die Abstandsregeln nicht beachtet worden waren.

Dass sich die Situation am ersten Adventwochenende großartig ändern wird, ist nicht zu erwarten. Auch im Wiener Museumsquartier wird mittlerweile von mehreren Lokalen Punsch ausgeschenkt – zum Mitnehmen, versteht sich.

Die Abstandsregeln werden aber in vielen Fällen augenscheinlich nicht eingehalten. Wie oft das genau passiert, kann die Polizei nicht beziffern, da in der Anzeige nicht aufgenommen wird, ob man während des Punschtrinkens angezeigt wurde.

Lokale 
Gastro-Betriebe dürfen zwischen  6 und 19 Uhr Speisen zur Abholung anbieten. Lieferservices dürfen täglich rund um die Uhr genutzt werden. Die Konsumation in oder unmittelbar vor Lokalen ist nicht erlaubt. Hier muss  ein Mindestabstand von  50 Metern eingehalten werden

Ausgehen
Prinzipiell gilt die Ausgangssperre rund um die Uhr. Hinausgehen darf man nur, um die Grundbedürfnisse abzudecken, um Gefahr für Leib, Leben oder Eigentum abzuwenden, um familiäre Pflichten zu erfüllen, aus beruflichen Gründen, zur  Erholung und wenn es unaufschiebbare behördliche Termine gibt 

Grauzone

Das Wiener Marktamt nimmt selbst keine Kontrollen wegen der Umsetzung der Covid-19-Maßnahmen vor. Denn grundsätzlich ist das Ausschenken von Punsch nicht illegal. Gastro-Betriebe dürfen in der Zeit des Lockdowns von 6 bis 19 Uhr Speisen und Getränke zur Abholung anbieten. Das Haus verlassen dürfte man aber eigentlich nur zur Abdeckung der täglichen Grundbedürfnisse, um Gefahr für Leib und Leben abzuwenden, zur Hilfeleistung, für unaufschiebbare Behördentermine oder zum Erhalt der physischen und psychischen Gesundheit.

Aber wie passen Punsch und Glühwein in diese Regelung? Ist der Punsch ein österreichisches Grundbedürfnis oder trägt er gar zur psychischen Gesundheit bei? Bei Punsch und Glühwein dürfte sich für die Lockdown-Müden eine Grauzone auftun.

Der KURIER hat bei den verantwortlichen Behörden recherchiert. Eine Anfrage beim zuständigen Wiener Gesundheitsamt wurde trotz mehrmaliger Nachfrage nicht beantwortet.

Auch das Gesundheitsministerium musste für die Frage „Ist Punsch to go an Punschständen während des Lockdowns erlaubt?“ erst ihre Juristen fragen. Das Ergebnis: Ja, „Punschen“ ist erlaubt. „Nachdem die Abholung in Gaststätten erlaubt ist, dürfen diese auch Punsch zur Abholung anbieten. Anzumerken ist, dass die Konsumation erst mit einem Abstand von 50 Metern stattfinden darf“, hieß es aus dem Büro von Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne).

492 Verstöße

Solange man also genügend Abstand hält und auch die Maskenpflicht umsetzt, ist der vorweihnachtliche Alkoholkonsum trotz Covid-19 in Ordnung. Ob sich aber nach ein paar Heißgetränken auch alle an die Vorgaben halten, ist fraglich. Am vergangenen Wochenende wurden Freitag und Samstag österreichweit 492 Verstöße gegen das Epidemiegesetz oder das aktuelle Covid-19-Maßnahmengesetz angezeigt oder Organmandate ausgestellt.

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