Waldner: "Zeit der Polit-Show ist vorbei"
Der Wechsel von Staatssekretär Wolfgang Waldner (57) nach Kärnten, wo er für die ÖVP in die Landesregierung einzieht, hat Freund und Feind überrascht. Im KURIER-Gespräch nimmt er dazu Stellung.
KURIER: Die meisten Kommentatoren sind sich einig: Der Wechsel vom Außenamt ins korruptionsgebeutelte Kärnten sei ein tiefer Fall. Es geht das Gerücht um, Sie seien am Dienstag um 23 Uhr vor die Alternative "Kärnten oder Abschied von der Diplomatie" gestellt worden.
Wolfgang Waldner: Ich habe den Schritt aus tiefster Überzeugung getan. Der Kärntner Parteiobmann Gabriel Obernosterer hat mich vor mehr als zwei Wochen gefragt – und ich hatte in meinem Urlaub Zeit, zu überlegen. Ich nehme diese Chance wahr, weil ich von einem Neustart der ÖVP in Kärnten überzeugt bin und aktiv an einer Systemveränderung mitarbeiten will. Kärnten ist meine Heimat und liegt mir sehr am Herzen.
Ist Ihnen die Spitzenkandidatur für die Neuwahl versprochen worden?
Um für mein Heimatland zu arbeiten, muss man mir nichts versprechen.
Die ÖVP ist in Kärnten völlig am Boden, liegt in Umfragen sogar weit hinter den Grünen. Ein Himmelfahrtskommando?
Die ÖVP steht in Kärnten für Erneuerung und die Änderung eines politischen Systems. Sie wird als einzige Partei mit neuen, integeren Personen vor den Wähler treten. Das ist kein Himmelfahrtskommando, das ist eine große Chance.
Finden Sie die derzeitige Trennung Parteiobmann ( Obernosterer) und Sie als Landesrat eine gute Lösung?
Aufgrund unserer unterschiedlichen Lebenserfahrung können wir ein breites Spektrum abdecken und wollen uns bewusst als Team präsentieren.
Wer hat in heiklen Fragen das letzte Wort? Obernosterer oder Sie?
In einem Team werden Entscheidungen gemeinsam getroffen.
Würden Sie für den Fall, dass Sie Spitzenkandidat sind, auch die Obmannstelle für sich reklamieren?
Jetzt bin ich Landesrat mit einem Riesenressort. Die Arbeit für das Land darf nicht stillstehen. Die ÖVP hat in Gabriel Obernosterer einen Parteiobmann, der Leadership bewiesen und die Partei innerhalb von vier Wochen an den strategisch wichtigen Positionen erneuert hat.
Wissen Sie, wie derb die Landespolitik sein kann? Da kann es schon passieren, dass "Waldner" zum "Unwort des Jahres" wird (Wie es dem Spitzendiplomaten Valentin Inzko passiert ist, als er in der Ortstafelfrage mit Landeshauptmann Gerhard Dörfler nicht einer Meinung war, Anm.).
Die Art, Politik für das Land zu machen, muss jeder für sich selbst entscheiden. Mein Weg ist sach- und zielorientiert. Die Zeit des Populismus und der politischen Show ist vorbei.
Was wollen Sie in Kärnten bewegen und ändern?
In Kärnten ist im Sinne der Wähler das politische System zu ändern. Die Zeit von Mauscheleien gehört der Vergangenheit an. Vor allem aber ist die Reputation Kärntens im In- und Ausland wieder herzustellen, damit die wirtschaftliche Entwicklung wieder Perspektiven hat.
Sind da die "Altlasten" der ÖVP nicht ein großes Handicap?
Wir haben einen schnellen Strich gezogen und orientieren uns an der Zukunft.
Sie sind nach Jahrzehnten nach Kärnten zurückgekommen. Sollen auch andere diesen Weg gehen?
Ich möchte mit meiner Treue zum Heimatland in einer schweren Zeit Vorbild sein.
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