Chronik | Österreich
27.03.2018

Vor IS-Terrorprozess zeichnete Angeklagter Moschee mit Bombe

Der 19-Jährige soll Mithäftlinge radikalisiert haben. Sie konvertierten für ihn zum Islam.

Eine Woche vor Beginn seines Terrorprozesses lässt der 19-jährige Lorenz K. durch in seiner Gefängniszelle angefertigte Zeichnungen daran zweifeln, dass das mit ihm durchgeführte Deradikalisierungsprogramm auch Wirkung zeigt. Auf den zum Teil mit seinem Aliasnamen „Sabur Ibn Gharib“ signierten Zeichnungen sind unter anderem ein Kopf und zwei an der Schläfe angehaltene gestreckte Finger zu sehen, die einen Schuss andeuten.

Außerdem hat Lorenz K. – der einen Zwölfjährigen mit einer Nagelbombe zum Selbstmordanschlag auf einen deutschen Weihnachtsmarkt geschickt haben soll – eine Moschee gezeichnet, hinter der eine Bombe detoniert.

Sicherheitsrisiko

Die Bilder wurden bei einer Zellenvisite entdeckt und dem Gericht übermittelt. Dieses lädt zur Frage, ob vom Angeklagten auch 14 Monate nach seiner Verhaftung noch ein Sicherheitsrisiko ausgeht, einen Vertreter des Deradikalisierungsvereins als Zeugen zum Prozess.

Der von Wolfgang Blaschitz verteidigte Lorenz K. behauptet, die Zeichnungen gleich nach seiner Einlieferung ins Gefängnis gemacht und dem IS („Islamischer Staat“) längst abgeschworen zu haben. Die Bilder seien bisher nicht entdeckt worden.

Aus der Justizanstalt Wien-Josefstadt wird allerdings berichtet, dass K. in den vergangenen Wochen Mithäftlinge radikalisieren würde. Insassen konvertieren vom christlichen Glauben zum Islam und schenken Lorenz K. Gehorsam, heißt es. Die Mithäftlinge würden auch ihr Aussehen optisch seinem angleichen (Bartwuchs, Kleidungsstil). Der 19-Jährige wird bis auf Weiteres in Einzelhaft gehalten. Von einem Ordnungsstrafverfahren wurde abgesehen.

Weihnachtsmarkt

Der Prozess gegen Lorenz K. beginnt am 4. April im Wiener Landesgericht unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen. Laut Anklage (Anstiftung zum terroristischen Mord) hat er Ende November 2016 einen damals Zwölfjährigen eine Anleitung zur Herstellung einer Nagelbombe geschickt und den strafunmündigen Buben mit dem von diesem selbst produzierten Sprengstoffgürtel auf den Weihnachtsmarkt in Ludwigshafen dirigiert. „Zieh ’ne fette Jacke an, dann geh hinter eine Hütte und zünde an“, sollen Anweisungen über WhatsApp gelautet haben. Der Zwölfjährige hatte vor, die Bombe in einer Kirche zu zünden. Weil aber dort weniger Opfer zu erwarten wären, soll er in Absprache mit K. das Anschlagsziel geändert haben.

Am dritten Prozesstag in Wien wird der Bub mittels Videokonferenz als Zeuge befragt. Im Vorverfahren in Deutschland war er bereits einvernommen worden und hatte angegeben, dass ihn K. bestärkt und beraten habe, wie er die Bombe am Körper tragen solle. Der funktionstüchtige Sprengsatz ging jedoch nicht hoch, sodass ihn der Bub hinter einem Gebüsch deponierte, wo er von der Polizei gefunden wurde.

Im Prozess geht es auch um weitere Anschlagspläne, die Lorenz K. gemeinsam mit einem 22-jährigen Deutschen gewälzt haben soll. Diesem wird gerade in Düsseldorf der Prozess gemacht.

Der Wiener bekennt sich nur wegen Mitgliedschaft an einer Terrorvereinigung schuldig. Weder der Zwölfjährige noch der 22-Jährige seien von ihm beeinflusst oder gar angestiftet worden.