© Matthäus Proskawetz

Mein Donnerstag
06/24/2021

Von der Notwendigkeit, eine Trennung zu erkennen

Warum ein Scheidungsanwalt trotzdem ein Fan der Ehe ist.

von Yvonne Widler

Beschäftigt man sich mit Beziehungen, muss man sich auch mit ihrem Ende beschäftigen. Einer, der das regelmäßig macht, ist Ernst Brunner. Scheidungsanwalt. Ich habe ihn vor einiger Zeit besucht, um herauszufinden, wie so ein Mensch tickt und was so ein Job mit einem macht. Er empfing mich braun gebrannt im modernen grauen Slimfit-Anzug. Darunter ein weißes Hemd. Als er mir die Hand zur Begrüßung hinstreckte, sah ich den Ehering an seinem Finger blitzen. Fakt ist:

Die Hälfte der in Österreich geschlossenen Ehen wird wieder geschieden.

Die Beweggründe, warum es Menschen in seine Kanzlei verschlägt, seien immer die gleichen geblieben: Tiefgreifende Verletzungen, Untreue und das berühmte Auseinanderleben. Brunner meinte, dass es heute mehr Frauen gibt, die sich weiterentwickeln möchten und weit selbstständiger sind, als das noch vor Jahren der Fall war. Frauen, die also nicht mehr im goldenen Käfig sitzen und sich wirklich bewusst verändern möchten. „Wenn die Männer nicht bereit sind, den Schritt mitzugehen, dann lassen die Frauen sich vermehrt scheiden“, sagte er zu mir.

Ansonsten hatte er viele Klienten, wo die Liebe und die körperliche Nähe auf der Strecke geblieben sind. Und da gehe es nicht mehr zurück. Meist sei dieses Ende jedoch nicht der hässlichste Teil der Beziehung. Den hässlichsten Teil hätten viele Paare schon vor ihrer Scheidung erlebt. Wochenlange Verletzungen, bei anderen gingen sie über Jahre. Zu sagen, die Ehe sei unauflöslich, sei für ihn antiquiert. Man könne zur Ehe stehen, aber trotzdem die Notwendigkeit zur Trennung erkennen, wenn die Ehe nicht mehr funktioniert. Der Scheidungsanwalt würde seinen Kindern dennoch empfehlen, zu heiraten.

„Das ist doch etwas sehr Schönes.“

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