Chronik | Österreich
15.12.2018

„Verteidigungsschießen, Feinddarsteller“: Wirbel um Training

In Mureck ist Sicherheitscamp aus Israel geplant. Die Politik ist dagegen, der Veranstalter versteht die Aufregung nicht.

„Kraft- und Fitness-Eigenmanagement“, „Selbstbewusstsein“ oder „Schwachstellenanalyse im familiären Umfeld“. „Unsere Module sind selbsterklärend“, beteuert Corino Fabiani, der in Mureck und darüber hinaus für gehörigen Wirbel sorgt: Ab Februar will er mit der International Security Academy Israel, kurz ISA, in der Gemeinde Sicherheitstrainings abhalten.

Dies wäre der erstmalige Auftritt der ISA in Österreich, deren Gründer einst selbst beim Geheimdienst Mossad tätig gewesen sein soll.

Wehren und schießen

Das ruft Murecks SPÖ-Bürgermeister wie auch die Grünen im Landtag auf den Plan. Denn neben den verbindlich klingenden Einheiten wie „nonverbale Kommunikation“ oder „Bewegungen interpretieren“ lehrt die ISA auch Handfestes. Die Verteidigungstechnik Krav Maga mit „Griff-Abwehrtechnken wie zB. Messer- oder Pistolenabwehr“. Auch Schießen ist im Programm. Beispielsweise „Force to Force-Training mit Übungsmunition und echten Feinddarstellern“ oder „dynamisches Verteidigungsschießen in einer Schießstätte“. Schließlich wird auch die „Kalaschnikow, des Terroristen bester Freund“ in „Übersicht und Handhabung“ erläutert.

Stadtchef Anton Vukan hat die Polizei alarmiert, der Verfassungsschutz wurde eingeschaltet. „Ich bin vehement dagegen, dass so etwas bei uns stattfindet. Das erzeugt eine gewisse Stimmung, als ob es bei uns ein Sicherheitsproblem geben würde.“ Als Bürgermeister habe er nur die Bauordnung als Regulativ: „Dieses Camp passt nicht zur Nutzung als Hotel mit Gastrobetrieb. Ich habe den Betreiber aufgefordert, neu anzusuchen“, betont Vukan. „Sonst lasse ich den Betrieb sperren.“

Die Bezirkshauptmannschaft Südoststeiermak hat schon geprüft, „umfassend“, wie Behördenleiter Alexander Majcan versichert. „In die Gewerbeordnung fällt das nicht hinein, auch nicht in der Versammlungs- und Veranstaltungsgesetz. Aber wir wissen natürlich um die Aufmerksamkeit, die das erregt.“

Lambert Schönleitner, Klubobmann der Grünen im Landtag, fordert, dass die Polizei das Vorhaben in Mureck durchleuchtet. „Es ist zu überprüfen, ob die ISA die öffentliche Ordnung und Sicherheit gefährdet und ob die dort angebotenen Kurse untersagt werden können.“ Denn in ISA-Kursen würde Menschen beigebracht, zu töten, kritisiert Schönleitner: Um das zu erreichen, würden brutale Mittel eingesetzt Willensbrechung, Demütigung, Erniedrigung. Das könnten strafrechtliche Delikte oder Verletzung der Menschenrechte darstellen.

Judo regt auch nicht auf

Fabiani kann mit diesen Vorwürfen nichts anfangen. „Die Auslegung der Grünen ist interessant. Über einen Judoklub regt sich auch niemand auf. Aber es geht hier nicht um bumm-bumm, wir bilden keine Pistoleros aus.“ Es gehe um eine „mündige, wehrhafte Zivilgesellschaft“, die Selbstverteidigung sei nur „das allerletzte Mittel“: „Wenn ich zur Waffe greifen muss, dann habe ich vorher etwas falsch gemacht. Das wollen wir den Leuten beibringen.“