Chronik | Österreich
02.08.2018

Schwere Unwetter in Vorarlberg und Tirol: Aufräumarbeiten im Gange

170 Feuerwehreinsätze gab es allein in Vorarlberg, im Tiroler Oberland führte Starkregen zu Murenabgängen.

Die Vorarlberger Feuerwehren mussten wegen teils heftiger Unwetter am Mittwochabend zu über 170 Einsätzen ausrücken. Besonders betroffen waren die Rheintalgemeinden, der Raum Dornbirn sowie der Raum Feldkirch. Personen kamen laut Rettung und Feuerwehr nicht zu Schaden. Die Bregenzer Festspiele mussten ihre "Carmen"-Aufführung ins Haus verlegen.

Schwere Unwetter tobten auch im Tiroler Oberland. Im Bezirk Landeck gab es Starkregen und Hagel.

In Vorarlberg lag der Schwerpunkt der Einsätze zwischen 18.30 Uhr und 22.00 Uhr. Umgeknickte Bäume verlegten Straßen, starke Windböen deckten Häuser ab, Keller wurden überflutet. In Fußach, Gaißau und Höchst (alle Bezirk Bregenz) musste die Feuerwehr zahlreiche Keller auspumpen. In Höchst schlug ein Blitz in ein Hausdach ein, in Egg (Bregenzerwald) geriet ein Stadel vermutlich aufgrund Blitzschlags in Brand. In Gaißau musste eine Person aus einem Auto gerettet werden, auf das ein Baum gestürzt war, sie blieb unverletzt.

Im Bereich der Rheinmündung lief bei Windstärke 8 ein Motorboot wegen Motorproblemen auf eine Sandbank auf. Der Schiffsführer des insgesamt mit vier Erwachsenen und einem Kind besetzten Bootes alarmierte gegen 20.00 Uhr die Einsatzkräfte. Das Feuerwehrboot "Föhn" zog das Motorboot frei und schleppte es dann in den Hafen Hard. Verletzt wurde niemand, so die Seepolizei.

Laut Angaben der ZAMG brachten die Unwetter regional sehr unterschiedliche Niederschlagsmengen, in manchen Gebieten zehn, in anderen 50 Millimeter Regen. Spitzenreiter sei die Station Sulzberg (Bregenzerwald) gewesen, wo in kurzer Zeit rund 60 Millimeter Regen fielen. Hinzu kamen in manchen Gegenden Windböen von bis zu 80 km/h.

Murenabgänge in Tirol

Schwere Unwetter zogen am Mittwochabend auch über den Tiroler Bezirk Landeck hinweg. Am stärksten betroffen waren die Orte Pettneu am Arlberg und die Fraktion Schnann. Unter anderem kam es zu Vermurungen, zudem traten Bäche über die Ufer. Laut ersten Informationen wurden keine Personen verletzt. Wie viele Häuser von Muren betroffen waren, war vorerst unklar. Die ÖBB-Strecke musste zwischen Landeck-Zams und St. Anton am Arlberg gesperrt werden, ebenso die Stanzertalstraße (L68). Die Zugstrecke dürfte am Donnerstag gesperrt bleiben. Die Einsatzkräfte arbeiteten daran, Vermurungen und Verklausungen zu beseitigen.

Laut Angaben des Landes wurden Erkundungsflüge durchgeführt und die Schäden erhoben. Die Landesregierung werde sich am Donnerstag ein genaues Bild des Ausmaßes machen, hieß es. Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) sicherte der Gemeinde "volle Unterstützung" zu. "Sollten Häuser im Murenbereich betroffen sein, stellen wir unmittelbare Hilfe zur Verfügung", so Platter.

Aufräumarbeiten

Mittlerweile haben die Aufräumungsarbeiten am Donnerstag in Tirol begonnen. An den Gebäuden in Pettneu seien die Schäden nicht allzu groß, teilte Bürgermeister Manfred Matt mit. "Zum Glück wurde bei diesem Ereignis niemand ernsthaft verletzt", erklärte der stellvertretende Bezirkshauptmann, Sigmund Geiger. In Pettneu hätten die dortigen Wildbachverbauungen und Auffangbecken weit Schlimmeres verhindert.

Vor allem im Bereich des Schnanner Dorfbaches standen Keller unter Wasser, Hausfassaden wurden beschädigt. Zudem hat eine Mure auch den Fluss Rosanna kurzzeitig verlegt, das Bahngleis beschädigt, die Rosanna zurückgestaut und dadurch das Gewerbegebiet in Schnann und auch weitere Felder zumindest teilweise unter Wasser gesetzt.

180 Tiroler Feuerwehrleute im Einsatz

Durch den Einsatz der Feuerwehr konnte die Rosanna laut Angaben des Landes Tirol noch am Abend wieder frei abfließen. "Der schnelle und beherzte Einsatz der Einsatzkräfte ringt mir großen Respekt ab. Jedem Einzelnen möchte ich im Namen des Landes von Herzen danken", sagte Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP). Insgesamt standen bis weit in die Nacht 180 Feuerwehrleute aus sämtlichen Gemeinden des Stanzertales von Kappl über Pians bis Landeck, Grins, St. Anton etc. im Einsatz.

Donnerstagvormittag sollte ein weiterer Erkundungsflug von Experten des Baubezirksamtes und der Wildbach- und Lawinenverbauung mit dem Landeshubschrauber durchgeführt werden. Im Laufe des Vormittages wollte sich auch die Tiroler Landesregierung bei einem Lokalaugenschein ein genaues Bild machen.

Die Schäden an der Arlbergbahnstrecke seien indes nach einer ersten Einschätzung doch erheblich, sagte ÖBB-Sprecher Christoph Gasser-Mair der APA. Die Strecke werde voraussichtlich am Donnerstag gesperrt bleiben. Die Aufräum- und Wiederherstellungsarbeiten waren bereits im Gange, zwischen Landeck/Zams und Bludenz in Vorarlberg wurde ein Schienenersatzverkehr eingerichtet. Die Reisezeit werde dadurch rund eine Stunde länger dauern, bat der Sprecher die Fahrgäste um Verständnis.

Freude über Regen bei Landwirten

In Vorarlberg sorgten die Niederschläge abseits der Sturm- und Hagelschäden aber auch für Erleichterung. Schließlich mussten die Bauern im Ländle lange auf Regen warten. Am Mittwochabend kam er endlich - aber stellenweise in Verbund mit Hagel. Obstkulturen, Mais- und Gemüsefelder in Gaißau und Höchst wurden teils schwer beschädigt, sagte Landwirtschaftskammer-Funktionär Ulrich Höfert. "Die Freude über den Regen dominiert aber", betonte er.

Unwetterfolgen in Tirol und Vorarlberg

1/7

Bahngleise in der Gemeinde Pettneu, Tirol

Gemeinde Pettneu, Tirol

Schnann, Tirol

Schnann, Tirol

Schnann, Tirol

Straße im Tiroler Oberland

Schnann, Tirol