Chronik | Österreich
03.09.2018

Umstrittener Deal: Bauernhof mit Aussicht für Oliver Bierhoff

Wieder einmal hat ein Prominenter trotz gesetzlicher Hürden in Tirol ein Urlaubsdomizil erwerben können

Die Angst vor dem Ausverkauf durch zahlungskräftige Ausländer geht in den Tourismusländern im Westen Österreichs seit dem Beitritt zur EU um. Gesetzliche Hürden, soweit mit europäischem Recht vereinbar, sollen das verhindern. Und sie werden mit Kunstgriffen doch immer wieder übersprungen.

Tirols Landesgesetze sollen etwa die Schaffung neuer Freizeitwohnsitze verhindern, wo es sie bereits im Überfluss gibt. Landwirtschaftliche Betriebe sollen möglichst in Bauernhand bleiben – genauso wie Freiland, auf das Bauern bei Veräußerungen ein Vorkaufsrecht haben.

Umso mehr schäumt die Tiroler Opposition nun über einen Immo-Deal im Bezirk Kitzbühel. Wie die Tiroler Tageszeitung berichtet, konnte Oliver Bierhoff, Manager der deutschen Fußballnationalmannschaft, in Hochfilzen einen aufgelassenen geschlossenen Hof samt 15.000 Quadratmeter Freiland erwerben. Und all das mit behördlichem Sanktus.

Stoßrichtung des Tiroler Grundverkehrsgesetzes sei es, land- und forstwirtschaftliche Betriebe zu erhalten, schäumt SPÖ-Chefin Elisabeth Blanik: „Aber nur so lange, bis ein ÖVP-genehmer Promi mit dicker Brieftasche andere Interessen verfolgt.“

Markus Sint von der Liste Fritz stößt in selbe Horn. Bierhoffs Bauernhof-Deal zeige, „wie es jene machen, die über genügend Geld verfügen, um in Tirol geltende Gesetze zu umgehen und so zu einem Bauernhof zu kommen, auch wenn sie selber keine Bauern sind“.

Vor zwei Jahren war bekannt geworden, dass der Europameister von 1996 und seine Gattin ein auf einer landwirtschaftlichen Liegenschaft gewidmetes Wohnhaus samt Freiland im Ausmaß von 4000 Quadratmetern um 1,4 Millionen Euro erworben hatten.

Filetstücke

Durch die Auflösung des dortigen Bauernhofes wurde das landwirtschaftliche Anwesen dann filetiert und ebenfalls angeboten. Bierhoff kaufte daraufhin das Gebäude und weitere Grundflächen um 743.000 Euro. Alles in allem handelt es sich mit der alten Hofstelle um weitere 12.000 Quadratmeter. Bei einer Wiese des Anwesens kam ein Bauer zum Zug. Der aber Bierhoff freie Sicht – sprich keine Bauten – und ein Vorkaufsrecht zusicherte.

Stellungnahme Land Tirol

Die Behörde begründete die Genehmigung des Deals unter anderem damit, dass der gesamte Hof vor Verkauf bereits seit Jahrzehnten im Besitz einer deutschen Familie war. Bei der habe es  sich "um keine Landwirte" gehandelt, wird betont. Der Kauf des geschlossenen Hofs sei Bierhoff verweigert worden. "Im Endeffekt wurde grundverkehrsrechtlich erreicht, dass der weitaus überwiegende Teil des Hofes „Oberhafenberg“ nach Jahrzehnten in der Hand ausländischer Nichtlandwirte nun „wieder“ in heimischer Hand mit landwirtschaftlicher Nutzung ist (und zwar im Eigentum) und nur landwirtschaftlich unattraktive Flächen von Herrn Bierhoff erworben wurden", argumentiert die Behörde in einer Stellungnahme.

Der Fall erinnert dennoch an den Unterhirzinger Hof in Kitzbühel, in den 2006 der damalige Finanzminister Karl-Heinz Grasser und seine Ehefrau Fiona Pacifico Griffini-Grasser als Nicht-Bauern einziehen konnten. Dafür wurden landwirtschaftliche Flächen vom Hof abgetrennt und das Domizil so zum normalen Wohnhaus.

Zunächst noch eingemietet, hat Fiona Grasser das Luxus-Eigenheim schließlich 2017 um 11,8 Millionen Euro erworben. Das Ende des Filetierungsprozesses.

Immo-Deals, wie diese gelten nicht nur in Kitzbühel als Preistreiber. Auch der Vorarlberger Skiort Lech am Arlberg leidet unter dem Phänomen. Dort wird zudem befürchtet, dass der Ort bei einem Überhang an Freizeitwohnsitzen zum Geisterdorf mutieren konnte.

Offiziell stemmt sich die Gemeinde gegen den Ausverkauf. Umso größer war die Aufregung, als Formel-1-Star Sebastian Vettel 2015 eine neu gewidmete Ferienwohnung kaufen konnte. 138,5 Quadratmeter ließ er sich 3,5 Millionen Euro kosten.