Chronik | Österreich
30.04.2018

Umstieg aufs Rad geht nur schleppend voran

Nur 390.000 Österreicher fahren täglich mit dem Rad zur Arbeit, weil Investitionen fehlen.

Rund 5,8 Millionen Fahrten machen die Österreicher täglich zur Arbeit und wieder nach Hause. Nur 390.000 der Fahrten am Arbeitsweg werden mit dem Fahrrad bestritten. 

Zu wenige, meint VCÖ-Experte Markus Gansterer. Das liegt aber nicht daran, dass Herr und Frau Österreicher faul wären, erklärt Gansterer: „Die Bereitschaft zum Umstieg von Auto auf das Fahrrad ist bei vielen vorhanden, wenn es eine gute Infrastruktur gibt.“

Fehlende Investitionen in neue Radwege sind einer der Hauptkritikpunkte des VCÖ-Sprechers. Vor allem, weil rund 2,1 der 5,8 Millionen täglichen Fahrten zur Arbeit weniger als fünf Kilometer lang sind. Der VCÖ fordert deshalb eine Infrastruktur-Offensive für den Radverkehr. Bessere Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel und sichere Wege sollen das Radfahren attraktiver machen.

Eine Vorreiterrolle nimmt das Land Vorarlberg ein. Dort setzt man besonders auf das Thema „Radmobilität“. Bei jeder Sanierung einer Landesstraße wird automatisch auch die Infrastruktur für die Radfahrer verbessert. Ein Schritt in die richtige Richtung, wie Johannes Rauch (Grüne), Vorarlbergs Landesrat für Verkehr, meint: „Denn die Leute fahren nicht unbedingt mit dem Rad weil es gesünder oder umweltfreundlicher ist. Sie fahren mit dem Rad, wenn es bequem und qualitativ ist.“

Radgipfel

Rauch und seine Kollegen aus den anderen Bundesländern wollen sich dieses Themas nun besonders annehmen. Deswegen wird es im September einen Radgipfel in Salzburg geben.

„Radfahren muss auch im Ministerium ganz oben auf die Agenda kommen. Denn wenn der Bund eine Radfahrstrategie entwickelt, dann können wir tatsächlich von einer Mobilitätswende sprechen“, erklärt Rauch die Beweggründe für das Treffen.

Aus diesem Grund waren Rauch und seine Kollegen auch in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen. Dort fahren bereits 65 Prozent der Menschen mit dem Rad zur Arbeit. „Und das sogar bei Regen. Da geht es also nicht um irgendwelche Rad-Fanatiker, sondern um eine Chance“, ist sich Rauch sicher.

Wichtig ist auch, dass man die Betriebe mit ins Boot holt, meint Rauch: „Wenn Unternehmen ihre Mitarbeiter motivieren mit dem Rad zu fahren, dann sollte es auch Begünstigungen geben. Außerdem ist es auch in deren Interesse, wenn die Mitarbeiter nicht im Stau stehen.“