Chronik | Österreich
19.04.2017

Trinkgeld als "Zuckerl" im Gehalts-Zwist

Kärntner Landesspitäler: Nach Novelle dürfen Pflegekräfte Geld für die Kaffeekasse annehmen.

Weil die Verhandlungen um Gehaltserhöhungen ins Stocken geraten sind und das Pflegepersonal der Landeskrankenanstaltenbetriebsgesellschaft KABEG mit Streik droht, bietet der Dienstgeber künftig ein spezielles " Zuckerl": Dienstnehmer sollen Trinkgelder annehmen dürfen.

Egal ob es sich um Ärzte, Pflegekräfte oder -helfer handelt, sie unterliegen in den fünf Kärntner Landesspitälern dem Landesbedienstetengesetz. Demnach ist es Dienstnehmern untersagt, die Kaffeekasse mit Trinkgeldern aufzubessern. "Wir wollen nun die Annahme von Trinkgeldern im ortsüblichen Rahmen ermöglichen und damit eine klare rechtliche Regelung statt des bisher existierenden Graubereichs schaffen", sagt KABEG-Vorstand Arnold Gabriel.

Bis zehn Euro

Auf Nachfrage konkretisiert er, dass die Annahme von Geldbeträgen bis zu zehn Euro noch angemessen wäre. "Wir denken nicht an dreistellige Summen", ergänzt Gabriel. Er geht davon aus, dass der "Trinkgeld-Passus" am 1. April 2018 in Kraft tritt.

Zentralbetriebsrat Arnold Auer befürwortet den Schritt, macht aber klar: "Dieser Punkt dient der Entkriminalisierung der Dienstnehmer, ist aber nicht Teil unserer Forderungen, die derzeit nicht erfüllt werden."

Das neue Angebot des Landes sieht 100 zusätzliche Dienstposten vor, wie es auch der Betriebsrat begehrt hat. Allerdings bietet Kärntens Personalreferent Peter Kaiser (SPÖ) lediglich 150 Euro brutto monatlich mehr für diplomiertes Personal und 75 Euro zusätzlich für Pflegeassistenten. Auer beharrt auf 200 bzw. 100 Euro. "Ich gehe nicht davon aus, dass die Belegschaft den Vorschlag des Landes annehmen wird. Daher behalten wir uns weitere Protestmaßnahmen bis hin zum Streik vor", betont er.