Chronik | Österreich
24.05.2018

Tourismus im Westen drängt auf höhere Zimmerpreise

Tirol und die alpinen Nachbarbundesländer boomen als Reisedestination. Die Branche will nun die Ernte einfahren

Tirol hat wieder einmal eine rekordträchtige Wintersaison hinter sich. Mit 6,2 Millionen Gästen und 27,6 Millionen Nächtigungen wurden jeweils neue Höchststände erzielt. Das hätte vor gar nicht allzu langer Zeit für Jubelstürme gesorgt. Am Donnerstag wurden die Zahlen jedoch bei einer Bilanzpressekonferenz in Innsbruck relativ nüchtern präsentiert.

„Wir dürfen uns nicht immer an Nächtigungen und Ankünften orientieren“, predigte Tirols Landeshauptmann und Tourismusreferent Günther Platter (ÖVP) das Credo der jüngeren Jahren. Viel wichtiger sei: „Wie sieht es mit der Wertschöpfung aus?“

Tatsächlich sind Gästezahlen nur bedingt ein Hinweis darauf, wie viel den Hoteliers in der Tasche bleibt. Darüber entscheiden letztlich auch die Zimmerpreise. Die obersten Touristiker appellieren an die Branche, die große Nachfrage, die auch im Sommer immer stärker anzieht, zu nützen.

„Wann, wenn nicht jetzt, soll es eine höhere Preisdurchsetzung geben“, sagte Josef Margreiter, Chef der Tirol Werbung, der diesbezüglich mehr Courage von den Zimmervermietern einforderte – zumal beim Volumen an Gästen und Nächtigungen kein großes Wachstum mehr zu erwarten ist. Der Plafond scheint erreicht.

„Wir sind zu billig“

Josef Hackl, Spartenobmann Tourismus und Freizeitwirtschaft in der Wirtschaftskammer Tirol, blies ins selbe Horn. „Wir sind speziell im Sommer viel zu billig“, sagt er und sieht ebenfalls die Zeit gekommen, um an der Preisschraube zu drehen. Die Kosten würden den Betrieben nämlich bereits davonlaufen. Hackls Pendant in Vorarlberg, Elmar Herburger, sieht die Situation in seinem Bundesland gleich gelagert und hält ein Anheben der Preise für überfällig. „Spätestens jetzt ist dafür der richtige Zeitpunkt. Wir liegen als Destination voll im Trend. Im Konkurrenzkampf darum, Gäste zum Kommen zu animieren, wird von manchen übertrieben.“ Vor allem in der Vor- und Nachsaison seien die Preise zu niedrig, sagt er.

Eine höhere Wertschöpfung hält auch der Salzburger Tourismus-Spartenobmann Albert Ebner für notwendig, damit Österreich auch weiter nicht als Massen-, sondern als Qualitätstourismusland wahrgenommen werde. Viele Betriebe würden wegen der vielen Auflagen und dem Investitionsdruck kaum vom Nächtigungsboom der vergangenen Jahre profitieren.

Der Hotelier aus Hintersee im Flachgau ist aber skeptisch, was eine „höhere Preisdurchsetzung“ betrifft, wie es von den Tiroler Kollegen angestrebt wird: „Ich glaube, das wird erst einmal der Markt regeln. Ich sehe das als Wunsch ans Christkind, dass man da alle dorthin (zu höheren Preisen, Anm.) drängt.“