Chronik | Österreich
26.06.2018

Tod im Faaker See: Badbetreiber im Visier

Ein sechsjähriger Villacher ertrank am 10. Juni in einem Privatbad. Die Behörde hatte erst wenige Tage zuvor Auflagen erteilt, die die Unglücksstelle betreffen.

Nach dem tödlichen Badeunfall eines sechsjährigen Buben im Faaker See (Bezirk Villach Land) ermittelt nun die Staatsanwaltschaft Klagenfurt wegen fahrlässiger Tötung gegen den Betreiber des Strandbades „Sandbank“. Dieser soll Auflagen, die wenige Tage zuvor ergangen waren, ignoriert haben.

Eine Villacher Familie hatte am Sonntag, dem 10. Juni, einen unbeschwerten Badeausflug geplant. Dieser sollte tragisch enden: Der Sechsjährige hat am Nachmittag bei einer Sandbank gespielt, unbestätigten Meldungen zufolge gemeinsam mit seinem zehnjährigen Bruder. Kurz nach 16 Uhr meldeten die Eltern den Sechsjährigen als vermisst; die Rettungskette wurde in Gang gesetzt, die Feuerwehren Drobollach, Villach, Latschach, Ledenitzen und Faak suchten mit Unterstützung der Rettungshundebrigarde und des Polizeihubschraubers den Uferbereich ab, während sich Einheiten der Österreichischen Wasserrettung Faaker See, Ossiacher See, St. Andrä und Klopein auf das Wasser konzentrierten.

Dort wurde der Sechsjährige schließlich auch gefunden – allerdings erst 80 Minuten nach der Alarmierung; in acht Metern Tiefe und 25 Meter vom Ufer entfernt. Der Bub wurde ins Klinikum Klagenfurt geflogen, wo die Ärzte um sein Leben kämpften. Vergeblich.

Tummelplatz für Kids

Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun wegen fahrlässiger Tötung gegen die Eltern, aber primär gegen den Badbetreiber. Wie der KURIER erfuhr, gilt ausgerechnet der Bereich um die Sandbank – sie ist Namensgeber des Bades und beliebter Tummelplatz für die Kinder – als gefährlich. „Hier mündet ein Bach (der Woronitza-Bach, Anm.) in den See. Dabei handelt es sich nicht um einen reißenden Fluss, aber das Rinnsal sorgt für eine leichte Strömung. Das erklärt auch, warum wir den Buben relativ weit entfernt vom Ufer gefunden haben. Und das Ufer selbst ist in diesem Bereich erst flach und dann rasch abfallend“, sagt Michael Siter, Einsatzstellenleiter der Faaker Wasserretter, der beim Unfall vor Ort war.

Die Bezirkshauptmannschaft (BH) Villach Land hat das Areal rund um die Sandbank allerdings bereits vor dem Unfall beanstandet. Am 1. Juni erging an den Badbetreiber die Auflage, den Bereich besser abzusichern und dort einen Badewart zu beschäftigen. Zehn Tage später ereignete sich der Unfall. „Ob unsere Auflagen erfüllt wurden, muss die Staatsanwaltschaft klären“, sagt Bernd Riepan, Bezirkshauptmann von Villach-Land.

Sein Behörde müsse weiters prüfen, ob der Bescheid Rechtskraft erlangt habe, oder beeinsprucht wurde, heißt es von Staatsanwaltssprecher Markus Kitz. Prinzipiell gelte eine Einspruchsfrist von vier Wochen.

Die BH hat das Bad am 11. Juni, also am Tag nach dem Unglück geschlossen. „Und bis alle Auflagen erfüllt sind, bleibt es das auch“, erklärt Riepan. Der Badbetreiber, für den die Unschuldsvermutung gilt, äußert sich nur auf seiner Homepage zur Causa. „Aufgrund der behördlichen Unstimmigkeiten bleibt das Bad vorübergehend noch geschlossen. Danke für ihr Verständnis“, heißt es dort.

Vor der Hochsaison

Andere Sorgen hat Finkensteins Bürgermeister, Christian Poglitsch (ÖVP). Er fürchtet Beeinträchtigungen für den Tourismus. „Bald beginnt am Faaker See die Hochsaison. Ich biete mich als Vermittler zwischen Badbetreiber und BH an, damit die Auflagen rasch erfüllt werden“, erklärt er.