Chronik | Österreich
24.05.2018

Straßenrad-WM wird zum budgetären Höllenritt

500.000 Fans werden erwartet. Im Budget für das größte Sommersport-Event in Tirols Geschichte klafft ein Millionenloch

Tirol könnte für diese Veranstaltung nicht besser liegen. Als Austragungsort der heurigen Straßenrad-WM im Herbst ist die Anreise für Nationen, in denen dieser Sport Kultstatus genießt, ein regelrechtes Zuckerschlecken. 500.000 Fans aus Italien, Frankreich, Tschechien, Belgien, Deutschland und dem Rest der Welt werden in der Woche vom 22. bis 30. September erwartet.

Für den Tiroler Tourismus bietet das größte Sommersport-Event, das jemals im Land veranstaltet wurde, ein werbeträchtiges Schaufenster. „Da werden die besten Bilder geliefert“, sagte Landeshauptmann Günther Platter am Donnerstag bei einer Pressekonferenz mit einer Tourismus-Bilanz. Weltweit werden bis zu 250 Millionen Menschen die Rennen vor dem Fernseher verfolgen.

Als Höhepunkt gilt das abschließende Straßenrennen der Herren von Kufstein bis nach Innsbruck, wo mit der „Höll“ im Stadtteil Hötting der mit bis zu 28 Prozent Steigung schärfste Anstieg dieser Weltmeisterschaft der Elite gehörigen Respekt abringt.

Ein echter Höllenritt liegt auch noch vor dem Organisationsteam: 120 Tage vor dem Start klafft ein riesiges Loch im Budget, das Insider ohnehin als schmalbrüstig bezeichnen. Seit zwei Monaten ist bekannt, dass rund drei Millionen von den angepeilten 12,8 Millionen Euro fehlen.

„Daran hat sich nichts Grundlegendes geändert“, sagte Esther Wilhelm, Sprecherin der Rad-WM. Bund, Land, Stadt Innsbruck und Tourismus steuern in Summe 9,5 Millionen Euro für die WM bei. Der Rest muss durch Ticketeinnahmen, aber vor allem durch Sponsoren hereinkommen. Doch da hapert es bislang massiv.

Mit drei Geldgebern sollen in Kürze Verträge abgeschlossen werden, sagt Wilhelm. „Aber die drei Millionen werden die nicht abdecken.“ Das Tiroler Budget liegt deutlich unter jenem der Rad-WM 2017 im norwegischen Bergen (16,5 Millionen Euro), die trotz der größeren Geldmittel in einem finanziellen Fiasko mündete.