Strache rechnet mit Haider ab: "Wollte mich kaufen"
Während in Kärnten in den vergangenen Tagen politische Bomben explodierten und Regierungsmitglieder zurücktraten, hatte einer die Ruhe weg. FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache urlaubte auf der spanischen Party-Insel Ibiza. "Jeder Arbeiter hat das Recht auf Urlaub", verteidigte der gut gebräunte Strache am Dienstag seine lange mediale Absenz. Außerdem sei Urlaub und Distanz zu den Vorgängen daheim wichtig, um einen klaren Blick zu bekommen.
Jetzt müsse man "reinen Tisch machen", holte Strache aus, denn es gebe in Österreich eine "Systementwicklung", die das nötig mache. Nicht nur in Kärnten, sondern im ganzen Land.
Zuerst rechnete er mit dem "System Haider" ab: Jörg Haider, sein Vorgänger als FPÖ-Frontmann, habe ursprünglich das bestehende politische System aufbrechen wollen; letztlich habe er sich aber korrumpieren lassen – und sei "Teil des Systems" geworden.
Er, Strache, habe als Erster erkannt, dass Haider seinen Grundsätzen nicht treu geblieben sei. Als er etwa dagegen gekämpft habe, die zwei Milliarden teuren Eurofighter anzuschaffen, habe Haider versucht, ihn "zu kaufen" – mit einem Staatssekretärsposten. Er habe sich aber nicht kaufen lassen, schloss Strache seinen Angriff auf Haider. Deshalb habe sich Haider mit seinen Getreuen 2005 von der FPÖ abgespalten. (mehr dazu hier)
Zusammenhalt
Und zu welchem Schluss ist Strache in seinem Urlaub in Sachen Kärntner Korruption gekommen? Schließlich steht der Vorwurf der illegalen Parteienfinanzierung mit Millionen von Steuergeld im Raum. Hält er seinen Kooperationspartnern von der FPK weiterhin die Stange?
Natürlich gebe es derzeit in Kärnten "Irritationen", sagte der blaue Parteichef dem KURIER. Aber jetzt einfach eine Neuwahl auszurufen, wäre nicht sinnvoll. Er habe sich mit der FPK geeinigt, zuerst "klare Rahmenbedingungen" für eine Neuwahl zu schaffen. Erst dann solle im heurigen Herbst oder im Frühjahr gewählt werden.
Dass die FPK derzeit durch den Auszug bei der Abstimmung im Landtag die Wahl verhindert, hält Strache für legitim. "Das sind Tricksereien, die in einer Demokratie erlaubt sind. Aber das ist etwas, das man nicht übermäßig strapazieren darf und beendet werden wird."
Strache ist überzeugt davon, dass seine Kooperationspartner von der FPK auch bei einer Neuwahl stärkste Kraft in Kärnten bleiben. Denn: "Wer in Kärnten die Nehmer sind, steht fest. Das ist ein ÖVP-System. "
Vizekanzler
In der ZiB2 erklärte Strache, dass ihm der frühere ÖVP-Chef Wolfgang Schüssel nach der Nationalratswahl 2006 den Vizekanzler- und fünf Ministerposten angeboten habe. Die SPÖ hatte die Wahl zwar gewonnen. Eine Koalition ÖVP-FPÖ-BZÖ wäre sich aber ausgegangen. Die FPÖ wollte jedoch nicht mit dem BZÖ. In der Folge bildeten SPÖ und ÖVP eine Regierung unter Kanzler Alfred Gusenbauer.
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Hintergrund
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