Zumindest sechs Frauen soll der Steirer als Prostituierte für sich arbeiten haben lassen

© APA/dpa-Zentralbild/Jens Kalaene

Steiermark
02/08/2015

"Stier" ließ illegal anschaffen und Orgien feiern

15 Jahre lang hatte die Polizei keine Handhabe gegen den mutmaßlichen Zuhälter: Keiner traute sich auszusagen.

von Elisabeth Holzer

Ein kleiner Ort in der Obersteiermark, ein Mann, der sich "Stier" nennt, Goldketten trägt und anschaffen lässt. Illegal natürlich, mit Zwang und Drohungen gegenüber den Opfern, denen der Zuhälter das Geld der Kunden abnimmt.

Die Polizei ist ihm auf der Spur, doch die Zeugen schweigen: "Im Ort haben es alle gewusst: Wennst a Madl für eine schnelle Nummer brauchst, musst nur den Stier anrufen", schildert ein Polizeibeamter. Niemand traut sich, gegen den als gewalttätig gefürchteten und vorbestraften Mann auszusagen. Nicht die zur Prostitution gezwungenen Frauen, erst recht nicht die Kunden – Männer aus der Gemeinde aus allen Gesellschaftsschichten und Altersgruppen.

Und das 15 Jahre lang.

Was wie ein schlechter Krimi klingt, soll seit 1999 in einer Gemeinde in der Obersteiermark passiert sein. Zumindest sechs Frauen aus Bulgarien, Rumänien und Österreich soll der heute 50-Jährige für sich arbeiten haben lassen, vier von ihnen auch unter Drohungen und Zwang. Allen soll er das Geld abgenommen haben. "Vom Zeltfest bis zu Lokalen ist er mit den Frauen gekommen. Auf jedem Kirtag war er der King, kassiert hat nur er", schildert ein Beamter. "Jeder hat das in der Gegend gewusst, mitten am Hauptplatz hat er in einer Wohnung Orgien feiern lassen. Deshalb hat ihm ja der Vermieter auch den Vertrag gekündigt."

Ermittlungsgruppe

Um den Verdächtigen endlich zu erwischen, gründete der Ermittlungsbereich Menschenhandel und Schlepperei des Landeskriminalamts Steiermark eine eigene Ermittlungsgruppe. Mit Hilfe der lokalen Polizeiinspektionen gelang es letztlich doch, den Verdächtigen zu verhaften: Eine Steirerin, die er mit Drohungen zum bezahlten Sex mit fremden Männern gezwungen haben soll, sagte gegen ihn aus.

Sie soll sich in den "Stier" verliebt haben und so in die Abhängigkeit gerutscht sein: Obwohl Angestellte in einer Firma, soll sie für ihn als Prostituierte gearbeitet haben. "Er hat ihr gedroht: ,Ich sag’ es jedem, dass du als Hure arbeitest’ – den Eltern, deinem Chef", beschreibt ein Polizist. "Alle Frauen haben sehr gelitten, vor allem sie."

Auf Wunsch der Staatsanwaltschaft Leoben wurde der Fall nach der Verhaftung des "Stiers" nicht publik gemacht. Da aber mittlerweile auch schon der Prozess stattgefunden hat, gab die Polizei ihren Ermittlungserfolg nun doch bekannt: Drei Jahre und fünf Monate unbedingte Haft setzte es für den Steirer, nicht rechtskräftig.

Die Verhandlung war übrigens gut besucht, denn zum Prozess mussten auch mutmaßliche Kunden kommen: 30 Männer lud der Richter vor, damit die Herren über die Geschäfte des "Stiers" berichten. Hinten im Gerichtssaal saßen interessierte Kibitze aus dem Ort, die wissen wollten, wer denn nun wirklich die Telefonnummer des "Stiers" benützt hatte.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.