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Steiermark
10/29/2019

Steigende Unfallzahlen: "Über Helmpflicht reden"

Mehr Schwerverletzte bei Radunfällen in der Steiermark, E-Scooter noch nicht eigens ausgewiesen.

von Elisabeth Holzer

Die gute Nachricht: Im Vorjahr gab es so wenige Verkehrsunfälle in der Steiermark wie nie zuvor, nämlich 5.795. Es gab auch um zehn Prozent weniger Todesopfer.

Die schlechte Nachricht: Die Anzahl der schwer verletzten Radfahrer ist massiv gestiegen. 313 waren es im Vorjahr, im Vergleich zu 2010 ein Plus von 63 Prozent.

Verkehrsexperten des Landes schreiben das zwei möglichen Faktoren zu: Dem höheren Anteil der Alltagsradler am Verkehrsgeschehen oder dem Verhalten der Radfahrer in der Begegnung mit anderen Verkehrsteilnehmern. Im neuen Verkehrssicherheitsprogramm will Landesrat Anton Lang, SPÖ, mehr auf die Radfahrer, aber auch auf die Fahrer von Elektrorollern einwirken. „Es gibt neue Herausforderungen im Verkehr, E-Scooter hatten wir bis vor einigen Jahren nicht“, überlegt der Verkehrsreferent. „Auch der Radverkehr ist eine Herausforderung, auch wenn es erfreulich ist, dass so viele umsteigen.“

Die Unfallbilanz mache aber nachdenklich, vor allem jene der Radler. Die E-Scooter sind noch nicht eigens in der Statistik ausgewiesen, dies folgt erst ab dem kommenden Jahr. „So ein Scooter erreicht 25 km/h. Da wird man über Schutzmaßnahmen reden müssen“, mahnt Lang. „Da muss man darüber reden, dass wir bei der Helmpflicht einen Schritt weiter gehen und die nicht nur für Kinder haben, sondern auch bei Erwachsenen.“ Das gelte es auch bei E-Bike-Lenkern zu überlegen, betont Lang.

Um ein Viertel weniger

Bis 2025 hat sich das Land ein ehrgeiziges Ziel gesetzt. Die Anzahl der Todesopfer und Schwerverletzten auf steirischen Straßen soll um je ein Viertel sinken. Die Unfälle sollen um zehn Prozent reduziert werden. Erreichen wollen das Lang und Maria Knauer-Lukas, Leiterin der Verkehrssicherheitsabteilung, unter anderem durch Bewusstseinsbildung.

„Es ist eine besondere Herausforderung, Einstellung und Verhalten jener Verkehrsteilnehmer zu ändern, die durch Ignoranz und Leichtsinn sich und andere gefährden“, betont Knauer-Lukas. So soll Nulltoleranz bei Geschwindigkeitsüberschreitungen gelten und die 30-km/h-Beschränkung vor Schulen ausgeweitet werden. Unfallträchtige Streckenabschnitte sollen verstärkt überwacht werden. „Tempolimits werden leider oft nicht als Sicherheitsmaßnahme gesehen, sondern als Schikane“, bedauert die Expertin.

Wichtig ist ihr auch die „Augen auf die Straße“-Kampagne. Die meisten Zwischenfälle geschehen nachweislich durch Ablenkung oder Unachtsamkeit: 34 Prozent aller Unfälle passierten deshalb, gefolgt von Missachtung einer roten Ampel mit 27 Prozent. Dieses Defizit im korrekten Verkehrsverhalten zeigen laut Statistik nicht nur Kfz-Lenker, sondern auch Fußgänger und Radler.