Wintereinbruch in Klagenfurt, Andreea befreit die Palme vom Schnee

© /GERT EGGENBERGER

30 Zentimeter Neuschnee
04/28/2016

Spätes Winterchaos im April

Millionenschaden, Straßensperren und Stromausfälle; Fußgänger in Lebensgefahr.

26,8 Grad in St. Pölten, damit war die niederösterreichische Landeshauptstadt Spitzenreiter in Österreich. Generell war es so sonnig und warm, dass einige Bäder einen Frühstart in die Saison hinlegen konnten. So geschehen am 27. April 2015.

Exakt ein Jahr später: Minusgrade in der Nacht, Frost und starker Schneefall, teilweise galt wieder Winterreifenpflicht. 30 Zentimeter Schnee gab es gestern auf der Pack, die Autobahnmeistereien der Asfinag holten die Schneepflüge aus der Garage. Eine Gruppe Harley-Fahrer kam nicht mehr weiter, einer der Motorradfahrer aus Polen stürzte, wurde aber nicht verletzt.

Neuschnee gab es auch in weiten Teilen Kärntens, Salzburgs und der Steiermark. Dies führte zu zahlreichen Verkehrsbehinderungen: Wurzenpass, Loiblpass und A10 mussten kurzfristig gesperrt werden.

In Klagenfurt sah sich der Magistrat sogar zu einer Warnung an Fußgänger veranlasst. Demnach bestehe für Passanten unter Laubbäumen Lebensgefahr, weil Äste aufgrund der Schneelast brechen. 15.000 Haushalte waren in Kärnten vorübergehend ohne Strom, weil immer wieder Bäume auf die Leitungen stürzten, 700 im Klagenfurter Stadtgebiet. Laut Rotem Kreuz kam es in Klagenfurt aufgrund der Schneefälle sogar zu Verzögerungen bei den Krankentransporten.

Apropos Klagenfurt: Am 27. April 2015 hatte es dort 20, 9 Grad.

Auch in der Weststeiermark knickten Bäume unter der Schneelast und kappten Stromleitungen. 1500 Haushalte im Raum Deutschlandsberg waren vom Stromausfall betroffen. In Graz wurde wegen Eisregens das "CityRadeln" abgesagt.

Die Temperaturen sind viel zu tief für die Jahreszeit. Die Landwirtschaft beklagt bereits hohe Schäden: 80 Prozent der Apfelernte in der Steiermark dürften ruiniert sein, schätzen Experten der Landwirtschaftskammer. Dazu kommen massive Frostschäden bei Birnen-, Marillen- und Zwetschkenkulturen: Allein im steirischen Obstbaubereich wird der Schaden mit 100 Millionen Euro beziffert.

In Kärnten sind vor allem Mais, Steinobst, Kernobst und Gartenbau betroffen. Markus Tschischej von der Landwirtschaftskammer spricht von einer "mittleren Katastrophe" und Millionenschäden.

Tief trifft auf Adriatief

Schon in der Nacht zum Dienstag war es frostig, jene zum Mittwoch war nicht besser und auch für Donnerstagnacht gab es keine aufmunternde Prognose für die Landwirte. Schuld am Winter im Frühling waren das Tief "Uta" sowieso ein Adriatief, die zusammentrafen: Bis zu minus zehn Grad in Alpentälern, minus sechs Grad im Flachland. "Dass es über Stunden friert, ist ein außergewöhnliches Ereignis", betont Josef Lukas, Meteorologe beim Wetterdienst Ubimet.

Üblicherweise seien Minusgrade in der ersten Aprilhälfte zu erwarten. "Heuer war es umgekehrt. Die erste Aprilhälfte war ziemlich warm." Das führt zu solchen statistischen Mittelwerten: Verglichen mit dem langjährigen Durchschnitt war der April um zwei Grad wärmer.

Frost und Schnee waren allerdings ungewöhnliche Ausreißer. Für die Obstbauern "eine Riesenkatastrophe", bedauert der steirische Agrarlandesrat Hans Seitinger, ÖVP. "2000 Bauernfamilien haben in einer Nacht ein gesamtes Jahreseinkommen verloren." Er hofft auf Hilfe aus dem Katastrophenfonds des Bundes. Der Wetterexperte kann für die nächsten Tage jedoch Entwarnung geben: Ab heute, Donnerstag, sollten die Temperaturen zulegen, aber es bleibt kühl.

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