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Prozess
10/21/2013

Sohn misshandelt: Mutter übermalte Hämatome mit Make-up

Salzburgerin soll ihr Kind wöchentlich geschlagen haben. Vor Gericht zeigt sie sich teilweise geständig.

Ein Fall von mutmaßlicher Kindesmisshandlung ist heute, Montag, bei einem Prozess am Landesgericht Salzburg beleuchtet worden. Eine 28-jährige Salzburgerin soll ihren mittlerweile zehn Jahre alten Sohn laut Anklage über zweieinhalb Jahre hindurch ein Mal pro Woche geschlagen haben. Der Bub hat Hämatome, Platzwunden und Blutergüsse erlitten. Die Beschuldigte zeigte sich heute zum Teil geständig. Sie bestritt aber einen Misshandlungsvorsatz.

"Es ist davon auszugehen, dass die körperliche Züchtigung eine gängige Erziehungspraxis war. Das Kind wurde regelmäßig geschlagen. Es wurden ihm teilweise erhebliche Schmerzen zufügt", warf Staatsanwalt Marcus Neher der schwangeren Frau vor. Sie wurde wegen des Verbrechens der fortgesetzten Gewaltausübung (Paragraf 107b StGB) angeklagt. Das Delikt ist mit einer Freiheitsstrafe von fünf bis 15 Jahren bedroht. Neher nimmt einen Tatzeitraum von Juni 2009 bis November 2011 an. Der Bub wohnte damals mit seiner Mutter im Pongau und war zwischen sechs und acht Jahre alt.

Der Staatsanwalt übte heftige Kritik an der Jugendwohlfahrtsbehörde: Obwohl die Polizei schon im Frühjahr 2009 aufgrund der Initiative des Großvaters ermittelt habe, und die Jugendwohlfahrt schon Anfang 2009 gewusst habe, dass der Bub öfters geschlagen wurde, sei die Strafverfolgungsbehörde nicht darüber informiert worden, erklärte Neher. Die Rechtfertigung der Jugendwohlfahrt habe gelautet, die Angeklagte hätte sich kooperativ gezeigt. Erst Ende November 2011 sei der Frau die Obsorge des Kindes faktisch entzogen worden, sagte der Staatsanwalt vorwurfsvoll.

Tägliche Schläge

Der Schüler schilderte in der kontradiktorischen Einvernahme, dass er von seiner Mutter fast täglich geschlagen wurde und sie ihm Make-up über die Hämatome aufgetragen habe. Aufgrund der Verletzungen musste er einmal sogar drei Wochen lang im Spital betreut werden. "Schulunfall" stand in der Verletzungsanzeige.

Weinend erzählte die beschuldigte Mutter, dass die Erziehung ihres Sohnes schwierig gewesen sei und sie von niemanden eine Unterstützung erhalten habe. "Mir sind die Nerven durchgegangen. Er war selbstzerstörerisch, er hat nicht mehr aufgehört. Er ist auch mit dem Kopf gegen die Wand. Er hat eins auf das Gesäß oder die Hand gekriegt, aber sicher nicht ins Gesicht."

Leidensdruck

Das Kind habe durch die Schläge massive Verletzungen erlitten, konfrontierte die Vorsitzende des Schöffensenates, Richterin Gabriele Glatz, die Angeklagte mit der Krankengeschichte des Opfers. "Und Sie glauben, Sie bräuchten keine Therapie?" Die 28-Jährige schüttelte den Kopf: Sie habe jetzt einen neuen Partner an der Seite, der sie unterstütze.

Der Verteidiger der Angeklagten verwies auf die schwierige Kindheit der Frau. Ihr Vater und später auch ihr Ehemann, von dem sie sich 2009 scheiden ließ, "waren Gewaltherrscher". Der Ehemann aber in seiner Trunkenheit nicht nur die Frau, sondern auch ihren Sohn geschlagen. Durch den Leidensdruck sei der Beschuldigten "das eine oder andere Mal die Hand ausgekommen".

Die Verhandlung wird am 21. November fortgesetzt.

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