Chronik | Österreich
15.12.2018

So etwas hat es seit Mayerling nicht gegeben

Zur Geschichte der Familie Goëss.

Die Grafen Goëss zählen zu den ältesten und angesehensten Familien des Landes, viele von ihnen schrieben Geschichte, sie besitzen heute noch zahlreiche Güter und Ländereien und sind durch Einheirat mit den prominentesten Geschlechtern, auch mit den Habsburgern, verwandt. Es ist nicht der erste Schicksalsschlag, den die Familie zu verkraften hat, doch eine Tat wie die auf Schloss Bockfließ hat es in Adelskreisen seit der Tragödie von Mayerling nicht gegeben.

Die Geschichte der Grafen Goëss lässt sich fast 1000 Jahre zurückverfolgen. Ihre Ahnen wanderten, aus Portugal kommend, nach Österreich ein, wo sie 1530 in den Adels- und 1693 in den Grafenstand erhoben wurden. Die Mitglieder der Familie ließen sich in Kärnten nieder, wo sie höchste Ämter einnahmen, mehrere Grafen Goëss waren Landeshauptleute, andere Diplomaten, Kardinäle und Bischöfe.

Heiratspolitik

Durch geschickte Heiratspolitik sind und waren die Grafen Goëss mit Österreichs bedeutendsten Familien verwandt, darunter Mayr-Melnhof, Saurau, Mautner Markhof, Abensperg-Traun, Thurn-Valsassina und den Grafen von Meran – Nachfahren des Habsburgers Erzherzog Johann. Im 19. Jahrhundert heiratete Peter Goëss die Gräfin Johanna Welser, die als Obersthofmeisterin Kaiserin Elisabeths eine wichtige Rolle bei Hof spielte. Seit 2015 ist Anton „Kari“ Goëss, ein Cousin des jetzt getöteten Ulrich Goëss, mit der Kaufhauserbin und Milliardärin Heidi Horten verheiratet.

Als Fotograf und Filmproduzent wurde der Bruder von Ulrich Goëss bekannt: Die Bilder, die Franz Goëss, heute 89 Jahre alt, vom Ungarnaufstand 1956 und vom Prager Frühling 1968 machte, gingen um die Welt. Später drehte er als Kameramann, Gestalter und Fernsehproduzent Dokumentationen für den ORF wie „Das blieb vom Doppeladler“.

Pilar Goëss

Pilar Goëss, die 1956 in Wien geborene Tochter des TV-Produzenten, machte sich als Modell, Zeitungsherausgeberin und Society-Lady einen Namen, der durch die Weltpresse ging, als sie mit Karim Aga Khan, dem religiösen Führer der Ismaeliten, liiert war. Man sprach davon, sie hätte es nie verkraftet, dass er sie nicht geheiratet hat. Pilar Goëss starb 1999 im Alter von 43 Jahren an einem Gehirntumor.

Die Familie Goëss verfügt heute noch über bedeutende Gutsbetriebe, zu ihnen zählen neben dem jetzt zum tragischen Tatort gewordenen Schloss Bockfließ auch die Anwesen in Ebenthal und Moosburg in Kärnten, das Palais Goëss in Klagenfurt, das Palais Saurau in Graz und Schloss Tratzberg in Tirol. Immer wieder in die Schlagzeilen geriet der der Familie Goëss und einer Privatstiftung gehörende Kärntner Ulrichsberg, auf dem Jahr für Jahr Gedenkfeiern ehemaliger Wehrmachtssoldaten und SS-Veteranen stattfanden.georg.markus

Geständnis nach Dreifachmord