Chronik | Österreich
08.06.2018

Sexuelle Übergriffe: Justiz ermittelt gegen einen Pfarrer

Steirischer Priester soll zwischen 2009 und 2014 eine Frau bedrängt haben. Er wurde schon im Mai dienstfrei gestellt.

Die Diözese Graz-Seckau gab sich vor zwei Wochen noch kryptisch in ihrer Begründung, weshalb sie zwei Pfarrer dienstfrei gestellt habe: Man untersuche „mögliche Disziplinarverstöße“ der beiden Geistlichen aus der Steiermark.

Am Freitag stellte sich nun heraus, worum es sich bei einem dieser „möglichen Disziplinarverstößen“ handeln könnte um sexuelle Handlungen mit einer Frau. Und zwar offenbar keine einvernehmlichen: Es soll sich laut Staatsanwaltschaft Graz um sexuelle Übergriffe handeln, die sich bereits zwischen 2009 und 2014 zugetragen haben dürften. Die Justiz ermittelt allerdings nicht wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs, sondern wegen des Verdachts des Missbrauchs eines Autoritätsverhältnisses.

Demnach stand das erwachsene Opfer in einer Art Abhängigkeitsverhältnis zum Verdächtigen, eventuell dienstlich.

Diözese informiert

Weitergeleitet wurde der Fall von der Kirchenleitung. Ende Mai ging Diözesanbischof Wilhelm Krautwaschl selbst mit einer Pressemitteilung an die Öffentlichkeit. Er sei von „römischen Behörden“ über Vorwürfe gegen einen Pfarrer informiert worden, die sowohl kirchenrechtlich als auch strafrechtlich relevant sein könnten. Um Gerüchte gleich abzudrehen, schloss die Diözese aber eines aus: Es handle sich nicht um sexuellen Missbrauch von Kindern.

Ein zweiter Priester meldete sich bei Bekanntwerden der Untersuchung selbst und bat um Beurlaubung. Krautwaschl ließ beide Geistliche vorübergehend freistellen.

Bezüglich eines Priesters gab die Justiz weitere Erhebungen des Landeskriminalamtes in Auftrag. Im Fall des zweiten sei noch keine Sachverhaltsdarstellung der Diözese eingelangt, hieß es am Freitag bei der Staatsanwaltschaft Graz.