Chronik | Österreich
01.09.2018

Schulwart-Wohnungen als letzte Raucherecken

Zigaretten wurden aus den Schulen verbannt. Letzte Tschick-Bastion: die Schulwart-Wohnung

„Ich habe schon überlegt, Eintritt zu verlangen“, sagt Helga Kickinger augenzwinkernd. Sie ist Schulwartin mit eigener Dienstwohnung an der HTL St. Pölten. Und mit Schulbeginn ist sie die Einzige, die am Schulgelände noch rauchen darf – nämlich daheim.

Laut einem neuen Erlass ist an den österreichischen Schulen das Rauchen künftig am gesamten Schulareal untersagt. Für Schüler und Lehrer. Es drohen bei Verstößen Verwaltungsstrafen für die Raucher von 100 bis zu 1000 Euro im Wiederholungsfall; für die Schulen 2000 bis 10.000 Euro. Die letzten Raucherinseln sind die Schulwart-Wohnungen.

„Zwei bis drei Kollegen haben mich im Scherz schon gefragt“, erzählt Kickinger. Zehn Euro würde sie verlangen, sinniert sie. So viel? „Na hallo, da geht es auch um meine Gesundheit“, spricht sie und lacht. Tatsächlich ist vielen Lehrern noch unklar, wie das neue Verbot kontrolliert werden und man rebellische Jugendliche vom Rauchen abhalten soll.

Auf dem Gehsteig

Einen Einblick kann die HTL ST. Pölten bieten, die Aschenbecher und Raucherzonen bereits vor fünf Jahren komplett vom Gelände verbannt hat. Die Konsequenz: Bis zu 60 Schüler stehen auf den Gehsteigen vor der Schule. Die Tschick landet dort aus Ermangelung eines Aschenbechers am Boden. Und es sind viele Zigarettenstummel. „Ich räume täglich mindestens eine Schaufel voll weg“, sagt Kickinger. „Als es noch Raucherplätze gab, haben sich die Schüler selbst gekümmert. Das werden nun die Schulwarte tun müssen.“

Den Lehrern wiederum wird die schnelle Zigarette in der Pause verunmöglicht. „Es haben schon einige angekündigt aufzuhören“, sagt Direktor Martin Pfeffel. Immerhin sollen sie mit gutem Beispiel vorangehen. Zum Raucherkammerl in der Schulwartwohnung, sagen Kickinger und Pfeffel nein. Da gäbe es wohl dienstrechtliche Probleme. Ganz abgesehen davon, dass es in NÖ nur noch rund fünf derartige Apartments gibt, in Wien sind es 222. Ein Nischenprogramm.

„Es ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits ist der Gesundheitsschutz wichtig, andererseits werden sich die Schüler ein Platzerl suchen“, sagt Personalvertreter Robert Kugler, Angestellter an der HTL Hollabrunn. „Das Erste, was wir haben werden, ist ein Feueralarm, weil am Klo geraucht wird“, ist er überzeugt. Die Lehrer orten auch Probleme auf die Schulen zukommen. So würden die Schüler wohl die Fluchttüren nutzen, um rasch auf die Straße zu kommen. Oder mit Hausschuhen oder gar Socken am Gehsteig stehen. „Socken sind nämlich die neuen Hausschuhe“, erklärt Pfeffel. Damit würde mehr Schmutz in die Schule getragen und es mehr Arbeit für die Schulwarte geben. „Die Kollegen identifizieren sich ja mit ihrer Schule. Die werden dann mit dem Kehrwagen fahren“, meint Kugler.

„Für die Berufsschüler ist es auch ein Problem. In der Firma dürfen sie Rauchpausen machen und dann kommen sie an die Schule und dürfen nicht“, weist Kugler auf die Skurrilität der „österreichischen Lösung“ hin. „Das Problem ist, ich werde gestraft, aber ich habe selbst keine Handhabe“, sagt Pfeffel.

Doch wer kontrolliert, ob das Verbot exekutiert werde? Die Eltern, die sich bei Schul-Konflikten ohnehin immer öfter an den Landesschulrat wenden, sind sich die Lehrer sicher. Und der Schulwart? Der werde wohl den „Rauchersheriff“ geben.