Chronik | Österreich
25.06.2018

Schüsse und Geiselnahme: 27-Jährige starb bei Beziehungsstreit

In Bregenz herrschte stundelang Ausnahmezustand. Nach tödlichem Beziehungsdrama sind noch viele Fragen offen

Schüsse und eine Geiselnahme hielten die Polizei am Montag in Bregenz in Atem. Im Stadtteil Vorkloster herrschte am Montagvormittag für Stunden der Ausnahmezustand. Um 10.15 Uhr meldete eine Zeugin einen lauten Beziehungsstreit in einem Mehrparteienhaus beim Notruf der Polizei. Während des Gesprächs fielen Schüsse. Als eine Streife vor Ort eintraf, sah sie eine Frau aus dem zweiten Stock des Gebäudes stürzen. Am Fenster hantierte ein Mann mit einer Schusswaffe.

Ein Großaufgebot an Polizeikräften wurde alarmiert. Letztlich standen 100 Beamte im Einsatz, darunter auch das Einsatzkommando Cobra und Verhandlungsspezialisten aus Tirol und Vorarlberg. Die versuchten über Stunden, den Mann zur Aufgabe zu überreden. Außerdem galt es, die vor dem Haus liegende Frau zu bergen. In der Wohnung, in der sich der 30-jährige Rumäne verschanzt hatte, befanden sich zunächst auch noch ein Kind und eine weitere Frau.

Nach intensiven Gesprächen ließ der Mann seine Geiseln gehen und die Cobra konnte die aus dem Fenster gestürzte 27-Jährige, bei der es sich um die ebenfalls aus Rumänien stammende Lebensgefährtin des 30-Jährigen handelte, mit einem Panzerwagen bergen.

Für sie kam allerdings jede Hilfe zu spät. Der Notarzt konnte nur noch den Tod der Frau feststellen, wie die Polizei am späten Montagnachmittag bei einer Pressekonferenz mitteilte. Der Rumäne liegt indessen schwer verletzt aber außer Lebensgefahr im Krankenhaus.

Bei der Übergabe einer Zigarettenpackung hatte die Cobra kurz vor 14 Uhr einen Zugriff versucht. Doch der Mann floh durch die Wohnung und stürzte sich aus dem Fenster. Bei ihm fand die Polizei eine Waffe, bei der es sich aber nur um eine Schreckschusspistole handelte.

Todesursache unklar

So war vorerst noch unklar, wie die Partnerin des Rumänen zu Tode kam. „Weder ein Schuss-, noch ein Sturzgeschehen lässt sich als Ursache ausschließen“, erklärte Philipp Stadler vom Landeskriminalamt Vorarlberg. Die Frau habe aber Kopfverletzungen aufgewiesen. „Die Ermittlungen stehen ganz am Anfang“, sagte der Polizist. Die Todesursache soll heute, Dienstag, durch eine Obduktion geklärt werden.

Das Paar dessen Beziehungsstreit für die Frau tödlich endete, ist der Polizei bekannt. Mann und Frau sollen aus dem Bettlermilieu kommen. Der 30-Jährige ist aufgrund einiger geringfügiger Delikte amtsbekannt. „Es soll schon öfter Streit zwischen den beiden gegeben haben“, berichtete Stadler von ersten Zeugeneinvernahmen.

Aufgrund der unklaren Lage und möglichen Bedrohung durch den vermeintlich bewaffneten Rumänen, wurde das Areal um den Tatort großräumig abgesperrt. Personen in Nachbarhäusern wurden in Sicherheit gebracht oder aufgefordert, nicht ans Fenster zu gehen. Rund vier Stunden nachdem der Notruf bei der Polizei eingegangen war, konnte die Exekutive dann Entwarnung geben.

Die Kurier-News vom 25.6.