Fehlende Mittel, eine desolate Start- und Landepiste und sinkende Passagierzahlen – der Klagenfurter Flughafen kämpft erneut ums Überleben

© /Kärnten Airport

Kärnten
07/16/2015

Sanierung: Airport steht unter Zeitdruck

Zeitplan zur Pistensanierung wird nicht halten. Passagierzahlen hinter Erwartungen.

von Thomas Martinz

Es ist ruhig im Norden Klagenfurts. Zu ruhig, wenn man bedenkt, dass hier ein Flughafen existiert. Heute, Freitag, dürfte allerdings das eine oder andere laute Wort fallen, denn die Eigentümer Stadt und Land haben eine Krisensitzung mit der Flughafen-Geschäftsführung einberufen. Wie der KURIER erfuhr, wartet der Airport nicht, wie stets behauptet, auf die beihilfenrechtliche Genehmigung der EU-Kommission zur Subventionierung der Landebahnsanierung. Vielmehr wartet die EU auf die Beantwortung eines Fragenkatalogs.

Knackpunkt ist die desolate Piste, die bis Ende 2016 erneuert werden muss. Ansonsten wird der Airport aus sicherheitstechnischen Gründen geschlossen. Die Stadt will drei, das Land Kärnten zwölf Millionen zuschießen. Diese Förderung bedarf jedoch einer Prüfung der EU-Kommission auf die Wirtschaftlichkeit. Bereits drei Mal hat die EU eine Liste von Fragen nach Kärnten geschickt, zuletzt Ende Mai – diese wurden jedoch bislang nicht beantwortet. "Der Fragenkatalog beinhaltet nichts Problematisches", sagt Flughafen-Geschäftsführer Max Schintlmeister. Wann wird man antworten? "Bis Ende August, das EU-Okay erwarte ich im Herbst."

Die Fragen sollen sich hauptsächlich auf den im steten Sinkflug befindlichen Airport beziehen. 467.000 (teilweise mit Steuergeld subventionierte) Passagiere hatte man 2007, letztes Jahr nur mehr 225.000.

Sinkflug geht weiter

Für heuer sah Schintlmeisters Businessplan die Schubumkehr und 242.000 Fluggäste vor. "Wir hinken dem Plan hinterher, das stimmt", sagt Schintlmeister. KURIER-Informationen zufolge liegt die Latte inzwischen nur noch bei 220.000.

Aus diesem Grund soll Andreas Skorianz als Aufsichtsrat zurückgetreten sein. "Kein Kommentar", meint Skorianz, dem Reiseunternehmerin Andrea Springer nachfolgt.

FPÖ-Landesrat Christian Ragger spricht im Zusammenhang mit dem Flughafen inzwischen von "einer drohenden Insolvenz". "Davon ist keine Rede", heißt es aus dem Büro von Finanzlandesrätin Gaby Schaunig (SPÖ), die heute beim Krisengipfel das Land vertritt. Klagenfurts Bürgermeisterin Maria-Luise Mathiaschitz (SPÖ) sitzt für die Stadt am Verhandlungstisch. "Wir werden auch die Möglichkeit besprechen, Private an Bord zu holen", kündigt sie an. Die Unternehmer Hans Peter Haselsteiner und Gaston Glock haben bereits Interesse bekundet.

Der Zeitplan für die Pistensanierung hält jedenfalls nicht, nachdem frühestens im Herbst die Ausschreibung erfolgt. Aus diesem Grund werde man den Flughafen im Herbst 2016 zur Pistensanierung an mehreren Tagen bzw. bis zu drei Wochen am Stück schließen müssen, meinte Schintlmeister.

Folgekosten

Sollte der Airport überhaupt Geschichte werden, stünden einmalige Kosten von rund fünf Millionen Euro zu Buche. Allerdings wurden von "Roland Berger Stretegy Consultants" auch Folgekosten errechnet: Diese werden mit 27 bis 47 Millionen Euro beziffert. Die Streichung von Arbeitsplätzen, die Kündigung von Verträgen und direkte Folgen für die Wirtschaft und den Tourismus sind darin enthalten.

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