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Chronik | Österreich
01/13/2019

Sanfte Töne und Kaffeehaus-Skizzen

Singer-Songwriterin Ina Regen im Ganz Wien über „Klee“ und die Natur in Wien.

Zwei Amadeus-Nominierungen. Ein Donauinselfest-Auftritt auf der großen Festbühne. Und die Veröffentlichung ihres ersten Albums „Klee“. Erst in den jüngsten Tagen hat Singer-Songwriterin Ina Regen realisiert, was ihr 2018 eigentlich alles widerfahren ist.

„Es ist utopisch“, sagt sie an diesem Winternachmittag zum KURIER, schüttelt den Kopf, als würde sie es immer noch nicht glauben können.

Im November 2017 hat sie ihr Lied „Wia a Kind“ ohne große Erwartungen auf YouTube gestellt. Innerhalb weniger Wochen ist es eine Million Mal angesehen worden.

Wie gelingt so etwas?

„Ich glaube, dass es einerseits aus wahnsinnig intensiver Arbeit besteht – dass man ja nicht locker lässt, dass man sich immer mehr wie einen Pfeil zuspitzt, sich also klarer wird in dem, was man machen möchte. Ich habe zum Beispiel erkannt, dass ich nicht laut und tobend sein muss, dass ich sanft sein darf.“ Und andererseits? „Dass man eine große Portion Glück braucht.“

Und man dürfe auch nicht vergessen: „Ja, wenn man sich nur mein letztes Jahr ansieht, wirkt das unglaublich. Aber ich bin Musikerin, seit ich 18 bin, hab viel Blödsinn mitmachen müssen, viele Hürden bewältigt.“ Sie blickt durch das Fenster auf vorbeihastende Passanten.

Einfach in einem Café sitzen und stundenlang Menschen beobachten, sich inspirieren lassen – das nimmt sie sich immer wieder vor. Getan hat sie es noch nie, weil sie es dann irgendwie unhöflich findet. Das Notizbuch hat sie dennoch immer dabei.

Schreibt sie denn viel mit der Hand? Ina Regen nickt. „Ich schreibe jeden Tag in der Früh Tagebuch. Die erste halbe Stunde am Tag gehört nur mir und meinen Gedanken. Ich habe das Gefühl, das Unterbewusstsein spuckt in der Früh andere Dinge aus, ein bisschen ungefilterter. Zumindest vor dem ersten Kaffee.“ Sie lacht.

Schick mit Spritzwein

Sie hat sich im Obergeschoß des „Ganz Wien“ eingefunden, einem hippen Lokal mit schäbig-schickem Ambiente in Wien-Neubau, das an Berlin-Kreuzberg erinnert. Tische und Stühle sind bunt zusammengewürfelt, die weißen Wände sind in sanftes, rosafarbenes Licht getaucht. Das obere Stockwerk mit der niedrigen Decke und den vielen Polstern ruft ein heimeliges Gefühl hervor.

Es ist das vierte Lokal von Moritz Baier (die anderen drei sind das „Liebling“, das „Burggasse 24“ und das „Schadekgasse 12“, Anm.), das er diesmal mit Daniel Botros führt. Auf der Speisekarte finden sich – wie es sich für ein Lokal mit Wien im Namen gehört – eine große Auswahl an Spritzweinen. Sowie etliche Gin-Variationen. Ina Regen bleibt alkoholfrei. Sie entscheidet sich für einen Cappuccino.

Aufgewachsen ist Ina Regen in Gallspach in Oberösterreich. 2009 ist sie mit ihrem damaligen Freund nach Wien gezogen. Worüber sie sich am meisten freute? „Das kulturelle Angebot. Im ersten Jahr war ich in vielen Museen und Theatern, das habe ich extrem geschätzt.“

Unterschätzt hat sie hingegen, wie sehr ihr die Natur abgehen würde. „Ich hab im 5. Bezirk gewohnt – und nicht gewusst, dass es so wenig Grünraum gibt. Zu Hause beginnt hinter dem Haus der Wald. Hier musste ich eine halbe Stunde fahren, um in der Natur zu sein.“

Trotzdem würde sie momentan so schnell nichts aus Wien wegbringen. Mittlerweile, ergänzt sie, wohnt sie aber auch in der Nähe von Schönbrunn.

Unterwegs sein wird sie in nächster Zeit allerdings sehr häufig. Im März startet die Österreich-Tournee.

Und im Notizbuch sind bereits die ersten Skizzen zu neuen Liedern. Vielleicht werden doch ein paar Beobachtungen aus dem Kaffeehaus einfließen.

Ina RegenInfos zum Album „Klee“

und Tourneeterminen: inaregen.at