Chronik | Österreich
29.08.2018

Ruf nach Förderung für Herdenschutz

Niederösterreichs erstes „Wolfsopfer“ hat sich gerüstet und fordert Hilfe für sich und seine Kollegen

Kaum nähern sich die Besucher dem Zaun, gehen drei weiße Herdenschutzhunde dahinter selbstbewusst in Stellung. Ihr Gebell signalisiert: Hier ist unser Revier.

Nur wenige Kilometer vom Wolfsrevier auf dem Truppenübungsplatz Allentsteig entfernt, beweidet die Familie Klaffl mit etwa 250 Schafen, Kühen und Pferden ökologisch wertvolle Flächen entlang des Kampflusses im Waldviertel. Am Dienstag informierten sich Vertreter der ober- und niederösterreichischen Grünen bei den Pionieren, wie Herdenschutz funktionieren kann. Die Klaffls sagen: Es geht. Aber nur mit öffentlicher Hilfe.

Emotionen

Seit Wölfe regelmäßig Schafe reißen, gehen die Emotionen hoch. Viele Weidehalter fühlen sich ausgeliefert, das finanzielle Abgelten gerissener Tiere hilft nicht.

„Ohne Herdenschutz wird es nicht gehen. Nicht jeder kann mit Hunden arbeiten. Aber wer gar nichts tut, schädigt damit seine Berufskollegen“, stellt Willi Klaffl fest. Er ist im Landwirtschaftsbetrieb seiner Frau Ingrid der Hundespezialist. Bereits 2010 verzeichnete die Familie – mitten in den Langenloiser Weinbergen – den ersten belegten Wolfsriss Niederösterreichs. 108 bis 120 Zentimeter sind die Elektrozäune hoch, die die Klaffls verwenden. „Das reicht meist, weil nur ganz wenige Wölfe gern springen“, sind Willi Klaffl und Wolfsforscher Kurt Kotrschal einig. „Wenn die Wölfe gleich lernen, dass es einfacher ist, Rehe zu jagen, reichen diese Zäune. Wenn wir diese Chance vertun, brauchen wir sie zwei Meter hoch“, meint Klaffl. „Die Zeit drängt“, stimmt Kotrschal zu.

Herdenschutz kostet: Ab 110 Euro bekommt man eine 50-Meter-Rolle mit 108 Zentimeter hohem Elektrogitter. Dazu kommen Solaranlage, Batterien und mehr. „Das schaffen die Weidehalter keinesfalls alleine, wir brauchen Unterstützung. Südtirol etwa fördert den Laufmeter Zaun mit acht Euro“, betont Willi Klaffl. Die Zusatzarbeit nimmt ihm ohnehin keiner ab: „Wir fahren 60 bis 70 Kilometer am Tag und marschieren weit, um Zäune und Tiere genauer als bisher zu kontrollieren.“ Klaffl braucht zusätzlich 30 Kilo Futter pro Woche für seine Herdenschutzhunde.

Wölfe mit Gummikugeln zu vergrämen sei jedenfalls ebenso sinnlos, wie Warnschüsse. „Die kommen vom Truppenübungsplatz, wo dauernd geschossen wird“, sagt Klaffl lachend.

„Man kann ein Gebiet ohnehin nicht wolfsfrei halten, wenn rundherum viele leben. Auf Herdenschutz zu verzichten hieße nur, Wölfe auf Weidetiere zu spezialisieren. Das vermehrt den Schaden“, konkretisiert Kotrschal.

„Wir haben im Oberösterreichischen Landtag beantragt, den Herdenschutz zu fördern“, sagt Landtagsabgeordneter Gottfried Hirz und hofft auf eine Mehrheit. „Wir wollen ein Zusammenleben von Wolf und Landwirtschaft“, betont auch die Sprecherin der nö. Grünen, Helga Krismer-Huber. Sie wirft der ÖVP vor, Bauern durch das Beharren auf Abschüsse falsche Hoffnungen zu machen. Krismer-Huber fordert vielmehr, dass das Land NÖ die Weidehalter bei ihren Herdenschutzmaßnahmen finanziell unterstützt.

Schäfer Klaffls Vision: „Infrarotkameras auf der Weide , die Wölfe auch nachts erkennen und ein Alarmsignal auslösen, das Raubtiere erschreckt oder dem Besitzer ermöglicht, die Wölfe zu verscheuchen.“ Wichtig wäre ihm, dass derartige neue Technik mit öffentlicher Hilfe entwickelt wird.