30.000 Bomben wurden über Graz abgeworfen. Auch heute noch werden Blindgänger entdeckt.

© /sicherheitsmanagement stadt Graz

Steiermark
02/06/2015

Bombenkataster weist 190 Verdachtspunkte in Graz aus

Vorsorglich nach möglichen Blindgängern zu suchen und die zu bergen, wäre zu teuer.

von Elisabeth Holzer

Ein, zwei Mal pro Jahr gibt es in Graz Bombenalarm: Blindgänger, die seit Jahrzehnten in vier bis fünf Metern Tiefe im Erdreich liegen, werden bei Bauarbeiten freigelegt. Solche Kriegsrelikte gibt es auch 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs gar nicht so wenige: Die Neuauflage des Bombenkatasters weist 190 konkrete Verdachtspunkte in der Stadt auf.

Die Besitzer jener Grundstücke bekommen nun entsprechende Post vom Magistrat. Doch Wolfgang Hübel, Sicherheitsmanager der Stadt, warnt aber vor allzu großer Angst. "Man sollte das mit Distanz betrachten. Gefährlich wird das in erster Linie erst bei Bauarbeiten. Die Bomben liegen ja jetzt schon seit 70 Jahren da." Aus Beispielen aus Deutschland wisse man, dass sich nur in zehn bis fünfzehn Prozent der Verdachtspunkte tatsächlich Blindgänger befinden.

Vorsorglich suchen und bergen werde die Stadt Graz nicht, das sei zu aufwendig und zu teuer. Außerdem sei nicht klar, wer so etwas bezahlen würde. "Die Kostenfrage ist nach wie vor ungelöst, die Republik hat sich bisher davor gedrückt", begründet Hübel.

1999 wurde die erste Version des Bombenkatasters erstellt, er wies damals noch 582 Verdachtspunkte auf: Betroffen waren großteils die Straßenzüge rund um Haupt- und Ostbahnhof sowie Verkehrsanlagen und große Firmen, sie waren bevorzugte Ziele der Alliierten.

Nun wurde der Plan um 72.000 Euro digitalisiert, dank verbesserter Technik konnten die Einschlagpunkte der Bomben exakter ausgemacht werden. Über die Homepage der Stadt Graz hat jedermann Zugang zum Kataster: Fünf Prozent des Stadtgebietes gelten als rote Zone, in der mit Blindgängern zu rechnen ist, 18 Prozent als gelbe Zone mit "geringer Wahrscheinlichkeit" auf Kriegsrelikte.

2000 Tote

57 Luftangriffe gab es zwischen Februar 1944 und April 1945 allein auf Graz, 2000 Menschen starben, 20.000 Wohnungen wurden zerstört, berichtet Historiker Karl Kubinzky. Insgesamt dürften 30.000 Bomben abgeworfen worden sein, darunter 16.800 Sprengbomben. Der Bombenkataster wurde allerdings nur anhand der Bombardements eines einziges Tages erstellt: Am 5. April 1945 machte die US-Luftwaffe Aufnahmen aus 2000 bis 3000 Meter Höhe. Mit Hilfe der darauf ersichtliche Bombentrichter wurden der Lageplan möglicher Blindgänger erstellt. Über die übrigen 56 Angriffe gibt es keine Aufzeichnungen. www.sicherheit.graz.at

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